19.06.2017 Sylvie Wiest

Holzverwendung als Zukunftsmodell beim Cluster innovativ in Leutkirch vorgestellt

Gruppenbild mit Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz BW, Vertretern des Netzwerks Forst und Holz Allgäu-Oberschwaben Armin Baumann (ganz links) und Andreas Morlok (ganz rechts), der proHolzBW Christoph Jost (Zweiter v.l.), des Landtags Raimund Haser (Dritter v.l.) und der Stadt Leutkirch Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle (Zweiter v.r.)

Am 18. Mai 2017 fanden sich etwa 65 Architekten, Planer, Energieexperten und kommunale und politische Vertreter beim Cluster innovativ in Leutkirch im Allgäu ein. Thema war die energetische Sanierung von Objektbauten mit dem TES-Verfahren, Timberbased Element Systems, sowie mehrgeschossiger Wohnbau. Die innovative Fassadensanierung der Sporthalle Leutkirch, die von der Europäischen Union und dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg gefördert wurde, konnte nach den Vorträgen besichtigt werden. Staatssekretärin Gurr-Hirsch stellte im Gesamtkontext die Holzverwendung als Zukunftsmodell für klimafreundliche Gebäude heraus. Zur Veranstaltung luden die Kooperationspartner proHolzBW, Netzwerk Forst und Holz Allgäu-Oberschwaben und die Stadt Leutkirch ein.

Beim Cluster innovativ am Donnerstag, 18. Mai 2017, im Cubus in Leutkirch im Allgäu wurde die TES EnergyFacade, timberbased element systems for improving the energy efficiency of the building envelope,  anhand von zwei Beispielen vorgestellt: Fassadensanierung der Sporthalle des Hans Multscher Gymnasiums Leutkirch und Modernisierung eines großvolumigen Wohnobjekts in Augsburg. An der kostenfreien Fachveranstaltung der Kooperationspartner proHolzBW, Netzwerk Forst und Holz Allgäu-Oberschwaben unter der Trägerschaft der WiR GmbH und der Stadt Leutkirch nahmen etwa 65 Vertreter der Bereiche Architektur, Stadtplanung, Holzbau und Energieeffizienz teil. Unter den Gästen war auch Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

Gurr-Hirsch betonte in ihrem Grußwort, dass die Holzverwendung im Bauwesen enorm viele Chancen und Perspektiven biete. Vor allem die Nachhaltigkeit des Baustoffs Holz berge für die Zukunft enormes Potential, denn klimafreundliche Gebäude liegen im Trend: Mittlerweile seien etwa 30 Prozent des Wohnbaus in Baden-Württemberg holzlastig. Und mit Wäldern sei das Land Baden-Württemberg gut aufgestellt. „Bauen mit Holz ist heute High-Tech und auch im ländlichen Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, so Gurr-Hirsch. Dennoch: „Man muss sich kennen und voneinander wissen“, unterstrich die Staatssekretärin den Mehrwert des Netzwerkens.

Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle stellte in seinem Grußwort ebenso klar, dass es für ihn keinen anderen Baustoff gebe, der so viele positive Eigenschaften habe. Er zeigte sich erfreut, dass die Netzwerkveranstaltung für einen branchenübergreifenden Austausch der (Holz-) Bauakteure und Politik in der von ihm geleiteten Großen Kreisstadt Leutkirch auf so großes Interesse stieß. Aktuell bearbeite die Stadt als größter kommunaler Waldbesitzer im Landkreis Ravensburg das Projekt „Nachhaltige Stadt“, bei dem Holz im Kern dazugehöre. Die Sanierung der Sporthalle sei dabei ein Baustein. Sie konnte im Rahmen eines Förderprojekts des EFRE-Programms der Europäischen Union und des Holz-innovativ-Programms des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg umgesetzt werden. Nachhaltigkeit umzusetzen funktioniere allerdings nur, wenn alle zusammenarbeiten, so Henle.

Die Vorträge von Martin Waizenegger, Hochbauamt Leutkirch, und Architekt Christoph Gegenbauer, Architekturbüro Gegenbauer, sowie von Architekt Dipl.-Ing. (FH) Dieter Herz, Herz und Lang GmbH, beleuchteten das innovative TES-Verfahren am konkreten Beispiel Sporthalle. TES steht für ein nachhaltiges Verfahren zur energetischen Sanierung von Bestandsbauten mit maximaler Vorfertigung und minimalem Ressourcenverbrauch. Es zeichnet sich durch einen systematisierten und optimierten digitalen Arbeitsablauf von der Bestandserfassung über die integrale Planung bis zur Vorfertigung und Montage von großformatigen maßgeschneiderten Fassadenelementen aus. Moderne Messtechniken sind im Einsatz und liefern grundlegende Daten für die Planung und Fertigung der Holzelemente. Das TES-Verfahren kam in Leutkirch erstmalig bei einer Sporthallensanierung zum Einsatz. Das 1979 errichtete Gebäude wurde innerhalb weniger Monate in eine thermische Hülle „verpackt“, Fertigstellung im Mai 2017. Eine vertikale Leistenschalung mit gebäudehohen hochwärmegedämmten Elementen von etwa 9 m aus unbehandelter heimischer Weißtanne verkleidet nun die Sporthalle.

Architekt Dipl.-Ing. Frank Lattke, Lattke Architekten, stellte als zweites Beispiel zum TES-Verfahren die Modernisierung eines bewohnten Hauses der Gebäudeklasse V in Augsburg, Grüntenstraße, vor. „Die Gebäudemodernisierung und Nachverdichtung ist die zweite Chance der Architektur“, so Lattke. „Intelligente Lösungen sind gefragt, um Raumstrukturen an heutige Bedürfnisse der Nutzer anzupassen und energetische Maßnahmen gestalterisch ansprechend umzusetzen. Dabei ist TES eine interessante Alternative zu den gängigen Methoden.“ Er erläuterte, dass gerade der Holzbau für das Bauen im Bestand Lösungen biete, die wirtschaftlich, schnell, störungsarm und präzise umgesetzt werden können. Von Vorteil sei auch das vergleichsweise geringe Gewicht der Holzbauweise, sodass selbst bei geringen statischen Reserven Interventionen möglich seien. Modernisierungen mit TES dienen als langfristig werterhaltende Maßnahme und zur Aufwertung ganzer Stadtquartiere. Lattke erwähnte, dass er bei der Entwicklung des TES-Verfahrens 2008 und 2009 im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts als Projektleiter mitverantwortlich war.

Weiterhin wurde der Neubau eines viergeschossigen Wohngebäudes in Weingarten, Haasstraße, als Holzhybridbau und sogenanntes Nullenergiehaus vorgestellt. Jürgen Kneer und Wolfgang Selbach, Architekturlokal Ravensburg, erläuterten, dass aufgrund des dortigen hohen Bedarfs kleiner Mietwohnungen entsprechend kleine Einheiten umgesetzt wurden. „Wir konnten durch die Umsetzung mit Holz 70 m² mehr Nutzfläche gewinnen“, berichteten die Architekten. Das Objekt des Bau- und Sparverein Ravensburg eG, Bauherr und Träger, umfasst 25 Mietwohnungen und fünf Appartements und schafft attraktiven bezahlbaren Wohnraum für alle Generationen.

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