07.11.2018 Ron Zippelius

Problemlöser Holzbau

Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht auf der Fachtagung Holzbau

Fachtagung Holzbau Gastgeber Christoph Jost, Geschäftsführer proHolzBW

Gut besucht. Die 40. Fachtagung Holzbau im Hospitalhof in Stuttgart

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will Holzbau von Baden-Württemberg aus zur Bauform des 21. Jahrhunderts machen – 450 Architekten, Ingenieure und Holzbauexperten diskutieren in Stuttgart innovative Holzbaukonzepte für den urbanen Raum – Holzbau bietet schnelle und zeitgemäße Lösungen zur Verbesserung der Wohnraumsituation und wirkt Klimawandel entgegen

Stuttgart, 7. November 2018. Seit einigen Jahren schon befindet sich der Holzbau auf Erfolgskurs. Wer glaubt, es liege daran, dass klimafreundliches Bauen immer gefragter wird, hat damit nur teilweise recht. Ebenso bedeutend für den Aufschwung der Branche ist deren fortschreitende technologische Entwicklung. Sie hat den Holzbau in eine Position gebracht, in der er mehr als eine ökologische Alternative zur herkömmlichen Bauweise ist. Holzbau ist schnell, präzise, leicht und leise und damit prädestiniert, bei einem der gesellschaftlich drängendsten Probleme Abhilfe zu schaffen, dem Wohnraummangel. Das zeigte heute die 40. Fachtagung Holzbau Baden-Württemberg im Hospitalhof in Stuttgart.

Über 450 Besucher bedeuten einen Rekord für die jährlich von proHolzBW und dem Institut für Holzbau der Hochschule Biberach organisierten Veranstaltung bei der sich Architekten, Ingenieure und Studierende aber auch Entscheider aus Politik und Wohnungswirtschaft mit nationalen und internationalen Holzbauexperten über aktuelle Entwicklungen im Holzbau austauschen. Anthony Thistleton, Waugh Thistleton Architects London, einer der Erschaffer des aktuell größten Holzgebäudes der Welt, Dalston Works in London, bezeichnete den konstruktiven Holzbau in seinem Vortrag gar als Revolution des Bauens. Das größte Ausrufezeichen setzte jedoch Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der erstmalig die Schirmherrschaft der Fachtagung übernahm und in seiner Rede ein Investitionspaket von 17 Millionen Euro ankündigte, mit dem eine Holzbau-Offensive für Baden-Württemberg gestartet werden soll.

Holzbau zur Bauform des 21. Jahrhunderts machen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir beim Bauen umdenken und soweit wie möglich Beton durch Holz ersetzen. Innovativer Holzbau ist ein Konzept, das nachhaltig, sozial und klimaverträglich Wohnraum schafft, vor allem dort, wo der Platz knapp ist. Um die Potentiale des Holzbaus für Klimaschutz und Wohnraum zukünftig voll ausschöpfen zu können, starten wir in Baden-Württemberg daher nun eine Holzbau-Offensive: Bis 2023 wollen wir rund 17 Millionen Euro investieren und gleichzeitig eine Reihe von Impulsen geben, um den Holzbau im Land gezielt voranzubringen. Das Land wird dabei selbst mit gutem Beispiel vorangehen und künftig etwa Neu- und Umbauten soweit wie möglich in der Holz- und Hybridbauweise umsetzen. Daneben werden wir die Forschung stärken, um Holz noch stärker als Werkstoff der Zukunft zu etablieren. Die Holzbau-Offensive ist ein Kraftpaket, mit dem Baden-Württemberg seine Potentiale im ökologischen, klimaschonenden und nachhaltigen Bauen weiter entwickeln kann und mit dem wir das Handwerk und die Unternehmen auf dem Land stärken. Gemeinsam wollen wir das Bauen neu denken und den Holzbau von Baden-Württemberg aus zur Bauform des 21. Jahrhunderts machen.“ Die vollständige Rede können sich Interessierte hier vimeo.com/300478226 ansehen. 

Gute Argumente gegen Wohnraummangel und für Klimaschutz

Baden-Württemberg schmückt sich seit Jahren mit dem Titel Holzbaubundesland Nr. 1. Nirgendwo sonst in Deutschland entstehen prozentual so viele neue Wohngebäude aus Holz wie hier. Aktuell liegt die Quote bei 30 Prozent. Noch sind die meisten der neu errichteten Holzgebäude Ein- und Zweifamilienhäuser. „Noch“, betont Christoph Jost, Geschäftsführer proHolzBW. Der Holzbau sei längst dabei, die Städte zu erobern, und liefere überzeugende Argumente, dies in Zukunft noch stärker zu tun. Hochhausprojekte wie das Skaio in Heilbronn, Deutschlands erstes Holzhochhaus, zeigten auf beeindruckende Weise wozu der Holzbau heutzutage imstande ist. Sie helfen, das Thema breiter in die Öffentlichkeit zu tragen und die Akzeptanz von Holzgebäuden, auch mit weniger Stockwerken, in der Bevölkerung zu erhöhen. „Richtig spannend ist der Holzbau nämlich nicht in der Höhe, sondern aufgrund der zahlreichen Ansätze, die er bietet, um dem Wohnraummangel gerade im urbanen Raum etwas entgegenzusetzen“, sagt Jost.

„Der hohe Vorfertigungsgrad im Holzbau ermöglicht nach detaillierter Vorplanung eine deutlich schnellere Fertigstellung von Gebäuden, als in herkömmlicher Bauweise. So können Wohnungen nicht nur schneller zur Nutzung übergeben werden, sondern insgesamt auch mehr Wohnungen in kürzerer Zeit gebaut werden“, erklärt der Geschäftsführer der proHolzBW. Davon profitierten auch die Anwohner. Die Baustellen bestünden wesentlich kürzer und seien darüber hinaus leiser, da dank des leichten Materials und der vorgefertigten Bauelemente weitestgehend auf schwere und lärmintensive Maschinen verzichtet wird. Die Leichtigkeit von Holz erlaube es zudem, Wohnraum dort zu erschließen, wo andere Baustoffe an ihre Grenzen stoßen. Bestehende Gebäude können mit Holz einfach um weitere Etagen aufgestockt werden. Auch wirtschaftlich sei der Holzbau interessant. „Holzgebäude können dank kürzerer Bauzeit früher genutzt werden als andere Objekte. Zudem sind die Wände im Holzbau, bei gleicher Dämmleistung, deutlich schmaler. Das bedeutet, sie bieten mehr Wohn- und Nutzfläche bei der gleichen Menge umbauten Raums“, so Christoph Jost.

„Eines der Hauptargumente für mehr Holzbau ist und bleibt auch der Klimaschutz“, sagt der Geschäftsführer der proHolzBW. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und speichert viel CO2. Bis zu einer Tonne des schädlichen Klimagases lagert Holz pro Kubikmeter ein und entzieht es so dauerhaft der Atmosphäre. Der Speichereffekt, würde sich durch nachhaltige Forstwirtschaft, wie sie in Baden-Württemberg üblich ist, noch verdoppeln, da das zum Bauen eingesetzte Holz nachwächst. Und das geht schnell. Etwa alle drei Minuten wächst in Baden-Württembergs Wäldern Holz für ein neues Einfamilienhaus nach. 

Bilder © Florian Alber

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