11.05.2018 Ron Zippelius

Sozialer Wohnungsbau besser in Holz

Voller Saal im Dorfgemeinschaftshaus Deuchelried beim „Cluster innovativ – Sozialer Wohnungsbau

Prof. Ludger Dederich

V.l.n.r.: Hans-Joachim Hölz (WiR - Wirtschafts- und Innovationsförderungsgesellschaft Landkreis Ravensburg mbH), Jan Bulmer (proHolzBW), Prof. Ludger Dederich (Hochschule Rottenburg), Edwin Heinz (GMS-Architekten), Johannes Kaufmann (Johannes Kaufmann Architektur), Michael Lang (Oberbürgermeister Stadt Wangen), Andreas Morlok (Netzwerk Forst und Holz Allgäu-Oberschwaben)

120 kommunale Entscheider, Planer und Ingenieure informieren sich in Deuchelried über Vorzüge des Holzbaus im sozialen Wohnungsbau – Professor Ludger Dederich fordert mehr Fokus auf Funktionalität von Wohnraum und dessen Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse zukünftiger Bewohner

Ostfildern, 11. Mai 2018. Der Bedarf an sozialem Wohnraum ist groß. Nach Wunsch der neuen Bundesregierung sollen in Deutschland bis 2021 rund 1,5 Millionen neue Wohnungen entstehen. Welche Rolle kann der moderne Holzbau dabei spielen? Dieser Frage gingen am Mittwoch, den 9. Mai 2018, im Dorfgemeinschaftshaus Deuchelried in Wangen im Allgäu etwa 120 Vertreterinnen und Vertreter kommunaler und privater Bauträger, von Wohnungsbaugesellschaften und sozialen Einrichtungen sowie Planer, Ingenieure, Architekten und Entscheidungsträger aus Gemeinderäten und Kreistagen nach. Sie waren einer Einladung des Netzwerks Forst und Holz Allgäu-Oberschwaben und der proHolzBW GmbH zur Veranstaltung „Cluster innovativ – Sozialer Wohnungsbau“ gefolgt, bei der ausgewiesene Holzbauexperten die Leistungskraft und die Vorteile des Holzbaus im Objektbau vorstellten.

Professor Ludger Dederich (Hochschule Rottenburg) griff zunächst die Frage nach den Kosten für sozialen Wohnungsbau auf. Er kritisierte die allgemeine Herangehensweise diese nach dem Preis pro Quadratmeter zu kalkulieren. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in Quadratmeter wachse in unseren Breiten seit Jahren an. Ein Umdenken sei notwendig, das die Funktionalität von Wohnraum und dessen Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse zukünftiger Bewohner in den Fokus rücke. Insbesondere im innerstädtischen Bereich böten sich dem Holzbau ideale Voraussetzungen. Mittlerweile sei es möglich bei Gebäudeaufstockungen oder Fassadensanierungen auf Gerüste komplett zu verzichten. Da Holz ein leichter Baustoff ist, komme beim Bau kaum schweres Gerät zum Einsatz. Auf Grundstücken vorhandener alter Baumbestand kann dadurch oft erhalten bleiben und bietet den neuen Bewohnern die Atmosphäre eines gewachsenen Viertels.

Durch den im modernen Holzbau üblichen hohen Vorfertigungsgrad einzelner Bauelemente oder ganzer Module, können Bauvorhaben in der Regel schneller abgeschlossen werden, als beim Einsatz anderer Baustoffe wie Beton und Stahl. Johannes Kaufmann (Johannes Kaufmann Architektur, Dornbirn – Wien) präsentierte verschiedene Objekte, in denen dies beispielhaft umgesetzt wurde. Notwendig dafür sei jedoch immer eine entsprechend detaillierte Vorplanung. Die Frage, ob Holzbau in der Endabrechnung teurer sei als die konventionelle Bauweise, verneinte Kaufmann. Wenn ein Holzgebäude teurer als ein Gebäude aus Beton werde, dann liege das wahrscheinlich daran, dass die Kalkulation von jemandem stammt, der noch nie mit Holzbau zu tun hatte.

Edwin Heinz (GMS-Architekten, Isny) hob in seinem Vortrag hervor, dass sozialer Wohnungsbau nicht nur als geförderter Wohnungsbau begriffen werden sollte, sondern auch die sozialen Belange der Bewohner berücksichtigt werden müssen. Wie das aussehen kann verdeutlichte er an dem von ihm geplanten Projekt Marienhof Leutkirch. Holz spielt hier insbesondere eine Rolle als nachhaltiger Baustoff, der mit seinen natürlichen Eigenschaften das Wohnklima der Bewohner verbessert.

Wie sich die Herangehensweise an soziale Wohnbauprojekte aus Sicht eines Holzbaubetriebes darstellt, zeigte Heinz Weizenegger (Weizenegger Holzbau, Bad Wurznach), dessen Firma bereits eine Reihe unterschiedlicher sozialer Wohnbauobjekte erfolgreich umgesetzt hat. Wangens Oberbürgermeister Michael Lang begrüßte, dass das Netzwerk Forst und Holz Allgäu-Oberschwaben und proHolzBW eine solche Veranstaltung über sozialen Wohnungsbau nach Deuchelried gebracht haben. Die Stadt Wangen stehe dem Holzbau sehr positiv gegenüber. Ein Punkt, dem sich die Kommunen allgemein sicher noch stärker zuwenden müssen, seien die individuellen Bedürfnisse der Bewohner von sozialen Wohnbauprojekten. Hier haben die Referenten hervorragende Ansätze gezeigt, wie sich dies mit und durch den Holzbau realisieren lässt.

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