03.05.2019 Ron Zippelius

Ziegelindustrie diskreditiert Klimafreundlichkeit von Holz, will es aber selber nutzen

Christoph Jost, Geschäftsführer proHolzBW

Bauwirtschaft Baden-Württemberg und Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau streuen gezielt Falschinformationen über den Baustoff Holz

Ostfildern, 3. Mai 2019. „Mit der Androhung einer Klage gegen die Landesregierung zeigt die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM), dass sie den Kern des Anliegens der Holzbau-Offensive gar nicht verstanden hat“, sagt Christoph Jost, Geschäftsführer proHolzBW, und ergänzt: „Es geht vorrangig um Klimaschutz. Holz speichert Kohlenstoff und reduziert somit den CO2-Gehalt in der Atmosphäre. Ziegel leisten das nicht, ganz im Gegenteil. Deshalb ist Holz das Mittel der Wahl, um die durch die Bauindustrie verursachten Emissionen spürbar zu senken und der Ziegel nicht.“ Natürlich steht es den Vertretern der mineralischen Baustoffe frei, die Holzbau-Offensive auf eine vermutete Wettbewerbsverzerrung hin juristisch überprüfen zu lassen. Ein ganz anderer Punkt ist jedoch, dass DGfM und die Bauwirtschaft Baden-Württemberg, die laut Hauptgeschäftsführer Thomas Möller zwar nicht gegen die Holzbau-Offensive klagen will, sie aber ebenfalls für inakzeptabel hält, Fair Play von der Landesregierung einfordern, sich selbst aber nicht an die Gebote der Fairness halten.

Schon vor Ankündigung der Holzbau-Offensive haben DGfM und Bauwirtschaft Baden-Württemberg regelmäßig falsche Informationen in Umlauf gebracht, die den Baustoff Holz diskreditieren sollen. Etwa als man vergangenes Jahr die Gleichstellung des Baustoffes Holz in der Landesbauordnung verhindern wollte. Paradebeispiel ist eine Auftragsstudie der DGfM, in der die ökologischen Vorteile von Holz gegenüber Mauerwerk durch abstruse Annahmen und Rechenspiele ins Gegenteil verkehrt wurden. Obwohl Christine Degenhart, Präsidentin der Architektenkammer Bayern, Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), und Markus Müller, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg, die Studie in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung*, in der im Herbst 2018 Auszüge erschienen waren, als verdrehte Fakten bezeichneten, schrecken Dr. Hannes Zapf, Vorsitzender DGfM und Dr. Roland Rast, Geschäftsführer DGfM, nicht davor zurück, die gleichen Falschinformationen in Pressemitteilungen und Briefen an die Abgeordneten des Landtags immer wieder breitzutreten. Im Gegenteil, sie ergänzen sie um Interpretationen amtlicher Statistiken, die mehr als abenteuerlich sind.

So erklärt Roland Rast mit Verweis auf die amtliche Statistik des Landes, dass Holzgebäude im Schnitt 10 Prozent teurer seien als massive Gebäude, und lässt dies auch den von der DGfM beauftragten Anwalt für Wettbewerbsrecht, Jörg Schmidt-Wottrich, in einer Videobotschaft kundtun. Tatsächlich gibt es in der Landesstatistik über die Bautätigkeit keine Daten, die einen derartigen Schluss zulassen. Dort sind lediglich veranschlagte Kosten aufgeführt, die zum einen nicht den tatsächlichen Baukosten entsprechen und zum anderen im Sinne der Bautätigkeitsstatistik auch die Kosten der Erdarbeiten, baukonstruktiver Einbauten und technischer Anlagen umfassen. Zudem gibt es mittlerweile Beispiele**, die belegen, dass der Holzbau unter vergleichbaren Voraussetzungen keine signifikanten Preisunterschiede zu den massiven Bauweisen aufweist.

Anwalt Schmidt-Wottrich scheint es mit der Wahrheit im Allgemeinen nicht allzu genau zu nehmen. So werden aus dem Besitzanteil von 24 Prozent, den das Land an der Gesamtwaldfläche in Baden-Württemberg hält, einfach 50 Prozent, weil es besser zum Vorwurf passt, das Land wolle sich am Geschäft mit dem Holz aus den eigenen Wäldern bereichern. Die von ihm kolportierte Rendite von 25 Prozent, die das Land aus ihrem Waldbesitz zieht, liegt nach Einschätzung der Forstkammer Baden-Württemberg durchschnittlich jedoch eher im niedrigen einstelligen Bereich.

Zapf warnt zudem vor einem Rückgang der Nadelholzbestände. Tatsächlich gehen die Bestände der Fichte, des Bauholzes Nummer eins, zurück. Das hat jedoch mit dem bereits von den Förstern angeschobenen Waldumbau zu tun, mit dem sie auf den Klimawandel reagieren. Denn Laubbäume kommen mit steigenden Temperaturen und längeren Dürreperioden besser zurecht als Nadelbäume. Letztendlich sind es also die CO2-Emissionen, die den Rückgang der Nadelholzbestände beschleunigen, nicht der Holzbau.

Auch deshalb ist die Holzbau-Offensive wichtig. Entgegen des von Bauwirtschaft und DGfM vermittelten Eindrucks fließt nämlich der Großteil der für die Offensive veranschlagten 16,5 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung von konstruktiven Baustoffen aus Laubholz. „Das ist eine sehr vorausschauende Maßnahme der Landesregierung, die hilft, den Wald als nachhaltige Rohstoffquelle unter den sich ändernden Bedingungen auch für die kommenden Generationen zu erhalten“, erklärt Christoph Jost.

„In Anbetracht steigender Preise für CO2-Kompensationszertifikate und den fortschreitenden Diskussionen auf allen politischen Ebenen über die Einführung eines CO2-Preises, könnte die Frage nach der ökonomischsten Bauweise natürlich in absehbarer Zeit zu Gunsten des Holzbaus kippen“, sagt Jost. Wahrscheinlich begibt sich auch deshalb ein Teil der Ziegelindustrie selbst auf den Holzweg. Wie Thomas Möller, kürzlich in einer Pressemitteilung verlauten ließ, gäbe es im Massivbau zahlreiche interessante Neuentwicklungen. Darunter ein Ziegel-Holz-Hybrid-Baustoff.


* Siehe DAB regional 10-18, Seite 3: https://www.akbw.de/fileadmin/download/Freie_Dokumente/DABregional/DAB_BW_2018_10_WEB.pdf

** Siehe: Lebenszyklus-Analyse von Wohngebäuden, LfU, Ökoinstitut Bayern, Tobias Unger, Stefan Leitschuh, Ascona GbR, Holger König, 2019.

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