28.10.2020 Esther Reinwand

„Der Holznachwuchs pro Jahr in Deutschland ist ausreichend für den Bau von 55.000 Mehrfamilienhäusern/Jahr“

Joachim Hörrmann, Koordinator Holzbau proHolzBW

Christoph Bolay, Oberbürgermeister Ostfildern

Jan Bulmer, MLR BW

Prof. Gerhard Lutz, Hochschule Biberach/Riß

Oliver Hilt, architekturagentur Stuttgart

Jan Philipp Hofacker, Stadt Crailsheim

Die Referenten auf dem Screen

Abschlussdiskussion mit Fragen der Teilnehmer

Brandschutz, nachhaltiges Bauen, Vergabeverfahren: Auftaktveranstaltung für die Seminarreihe „Holzbau Heute – Schulungen für Kommunale Entscheider“ fand digital statt

Ostfildern, 22./28. Oktober 2020: Nachdem proHolzBW die 42. Fachtagung Holzbau Baden-Württemberg Anfang Oktober noch erfolgreich als Präsenzveranstaltung durchführen konnte, musste nun Corona-bedingt die Auftaktveranstaltung am 22. Oktober 2020 für die Seminarreihe „Holzbau Heute – Schulungen für Kommunale Entscheider“ im Rahmen der Holzbau-Offensive BW kurzfristig digital durchgeführt werden. Wir danken allen Rednern und Referenten, die für die Bild- und Tonaufnahmen nach Ostfildern angereist sind, sowie allen Teilnehmern für eine gelungene und hoch informative Veranstaltung. Im extra eingerichteten „proHolzBW Studio“ im Forum Holzbau in Ostfildern eröffneten proHolzBW Geschäftsführer Christoph Jost und Koordinator Holzbau Joachim Hörrmann das Seminar. Im Anschluss stellte Jan Bulmer vom MLR BW die Holzbau-Offensive vor. Ostfilderns Oberbürgermeister Christoph Bolay betonte die Relevanz von Holzbau als nachhaltigem Baumaterial für die Kommunen und verwies in seiner Begrüßungsrede auf die zahlreichen, in seiner Gemeinde bereits in Holzbauweise errichteten Objekte.

Prof. Dr. Gerhard Lutz von der Hochschule Biberach/Riß gewährte einen kurzen Rückblick in die Bauhistorie der Menschheit: Denn von der Altsteinzeit bis in die Postmoderne blickt der Holzbau auf eine überaus erfolgreiche Geschichte zurück. Schon im Mittelalter wussten Bauherren der Gemeinschaft um die Stabilität und die Möglichkeiten unter anderem des „Rahmen“-Holzbaus. Neben zahlreichen Beispielen für in Holzbauweise errichtete kommunale Bauten erörterte Prof. Lutz auch das Thema Holz als nachwachsender Rohstoff: „In Deutschland können jährlich 40 Millionen m³ Holz aus nachhaltigem Forstanbau genutzt werden.“

Dass Holzbau eine nachhaltige Bauweise ist, belegte auch Architekt Oliver Hilt von der architekturagentur Stuttgart mit konkreten Zahlen, denn der Holznachwuchs pro Jahr in Deutschland ist ausreichend für den Bau von 55.000 Mehrfamilienhäusern pro Jahr. Herr Hilt gewährte tiefe Einblicke in die neueste Forschungslage zum Brandschutz und in die thermische Bauphysik. Auch beim Schallschutz gibt es neue, einfache Lösungen mit großer Wirkung. Ganz wichtig: eine gute Planung von Anfang an mit allen Beteiligten von Tragwerksplanern bis Architekten und Systemherstellern. Anhand eines beispielhaften Rahmenterminplans wurde ersichtlich, welche Schritte bei einem Bauvorhaben in Holz wann erfolgen sollten. Die Umsetzung erfolgt durch den hohen Vorfertigungsgrad schnell, Gebäude in Holzbauweise können je nach Anforderung schon innerhalb weniger Monaten realisiert werden.

Jan Philipp Hofacker, Sachgebietsleiter Hochbau der Stadt Crailsheim, präsentierte das Thema Ausschreibung und Vergabe mit den Schwerpunkten Öffentliche Ausschreibung, Beschränkte Ausschreibung nach öffentlichem Teilnahmewettbewerb sowie VgV-Verfahren (Vergabeverordnung). Beispiele für umgesetzte Holzbauten waren hier der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses, die Restaurierung einer Kapelle und der Neubau einer Anschlussunterkunft. Herr Hofacker ging dabei auf wichtige Details ein wie die Auswahl des passenden Grundstücks, die Zusammenarbeit mit einem Generalübernehmer und die Aufteilung der Aufgaben. Während bei einer öffentlichen Ausschreibung mit mindestens drei Monaten gerechnet werden muss, benötigt ein Vergabeverfahren für Generalübernehmerleistungen nach öffentlichem Teilnahmewettbewerb mindestens 4 bis 6 Monate. Der Vorteil bei einer Generalübernehmerleistung ist, dass sich Planung und Bauleistungen in einer Hand befinden, eine höhere Kostensicherheit entsteht.

proHolzBW bedankt sich bei allen Referenten für die tiefen, fachlichen Einblicke in wichtige Themen des Holzbaus. Nicht nur bei Laien besteht oft noch Informationsbedarf. Auch Holzbau-erfahrene Kommunen, Bauherren und Architekten hatten in der Abschlussdiskussion die Möglichkeit, spezifische Fragen an alle Referenten zu stellen und zur Auseinandersetzung mit herausfordernden Fragestellungen des Holzbaus bei kommunalen Bauvorhaben beizutragen. proHolzBW bedankt sich bei allen Teilnehmern der digitalen Auftaktveranstaltung Holzbau Heute.

Download Vortrag Prof. Dr. Gerhard Lutz

Download Vortrag Jan Philipp Hofacker

Download Vortrag Oliver Hilt

Zur Schulungsreihe Holzbau Heute

Mit der Holzbau-Offensive rückt die Landesregierung Baden-Württembergs das klimabewusste Bauen in den Fokus. Nachhaltiges Bauen und Betreiben unserer gebauten Umwelt ist ein wesentlicher und wirtschaftlicher Beitrag zur Klimawende. Das öffentliche Bauen hat dabei eine Vorbildfunktion. Kommunale Entscheider von Gemeinderäten bis Bürgermeistern und Land- oder Kreisräten sind ein wichtiges Bindeglied zu den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes. Öffentliche Bauvorhaben sind daher wichtige Botschafter für den Wandel hin zu einer nachhaltigen Baukultur. Denn auch im Nichtwohnbau bietet Holz erstaunliche Konstruktionsvarianten. Intelligente Holzmischbauweisen speichern Kohlenstoff und sind die Lösung für Kindertagesstätten, Feuerwehrhäuser, Rathäuser, Kultureinrichtungen, Klinikbauten oder Schulen. Dazu werden zu allen relevanten Fragestellungen Fortbildungen angeboten, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen. Corona-bedingt finden alle Termine 2020 digital statt.

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