02.04.2020 Uwe André Kohler

Starker Holzbau beim Staatspreis Baukultur BW 2020

Das "MaxAcht" im Stuttgarter Westen

Das viergeschossige Wohnhaus auf dem Areal des ehemaligen Olga-Hospitals

Zehngeschossiges Hochhaus in Holz-Hybrid-Bauweise: das "SKAIO" in Heilbronn

Vorher und nachher: "Wohnen statt parken - Reihenhäuser auf einem Parkdeck" in Konstanz

Das Zentrum der Petrusgemeinde in Wiesloch

Ein kreuzweise verlegtes Holztragwerk überspannt den Saal stützenfrei

Der Kienzlerhansenhof in Schönwald im Schwarzwald

Historische Bausubstanz trifft Gegenwart und Zukunft

In vier von acht Kategorien erhalten Holzbauten die höchste Auszeichnung

Ostfildern, 2. April 2020. Der Holzbau ist weiter auf dem Vormarsch, auch die Verleihung der Staatspreise Baukultur Baden-Württemberg 2020 machte da keine Ausnahme: In vier von acht Kategorien wurden Holzbauten mit der Vergabe des Staatspreises mit der höchsten Auszeichnung bewertet! In dieser Dichte und Qualität war der Holzbau beim Staatspreis Baukultur BW, der 2015 erstmals vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau ausgelobt wurde, noch nicht vertreten.

Aus insgesamt 133 Projekteinreichungen wurden in einem mehrstufigen Auswahlverfahren 24 Objekte nominiert. Die Jury, von Ministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut angeführt und mit namhaften Expertinnen und Experten hochkarätig besetzt, vergab acht Staatspreise und 16 Anerkennungen in acht Kategorien. Das Novum dabei: In der Kategorie „Wohnungsbau“ stammten alle drei Nominierten aus dem Holzbau, gewissermaßen ein Heimspiel des einzigen regenerativen Baustoffes. Das Rennen machte schließlich das „MaxAcht“, ein viergeschossiges Wohnhaus auf dem Areal des ehemaligen Olga-Hospitals im Stuttgarter Westen. Anerkennungen erhielten das „SKAIO“ in Heilbronn, ein zehngeschossiges Hochhaus in Holz-Hybrid-Bauweise, sowie „Wohnen statt Parken – Reihenhäuser auf einem Parkdeck“ in Konstanz.

Mit dem „MaxAcht“ entwickelte die architekturagentur Stuttgart einen L-förmigen Baukörper mit Wohneinheiten für eine altersgemischte Bewohnerschaft. Der Bau aus unverleimten Massivholz-Elementen und einer Verschalung aus vorgegrauten Fichtenholzlamellen konnte CO2-neutral errichtet werden. Auch an die fernere Zukunft wurde gedacht: Ein überwiegender Teil der verwendeten Materialien kann später sortenrein getrennt und recycelt werden. Durch den hohen Grad der Vorfertigung konnte das „MaxAcht“ in kürzester Bauzeit realisiert werden. Die Holzbau-Elemente dafür wurden von der holzius GmbH aus Prad am Stilfserjoch in Südtirol geliefert.

In der Kategorie „Bauen für kirchliche Nutzungen“ wurde das Zentrum der Petrusgemeinde in Wiesloch mit dem Staatspreis ausgezeichnet. Auf einem Gelände im Kern der nordbadischen Stadt wurde nach einem Wettbewerbsverfahren das eingeschossige Gebäude für zwei fusionierte Gemeinden errichtet. Im Zentrum des Baukörpers befindet sich ein Gemeindesaal sowie ein gleich großer Innenhof. Das bereits 2016 fertiggestellte Gemeindezentrum erhielt 2018 auch den Holzbaupreis Baden-Württemberg. Für die Architektur zeichnete sich Waechter + Waechter Architekten BDA aus Darmstadt verantwortlich, die Holzbau-Kompetenz kam von Holzbau Amann aus Weilheim-Bannholz.

Als erster durchs Ziel ging in der Kategorie „Besondere Projekte der Baukultur“ der Kienzlerhansenhof in Schönwald im Schwarzwald. Frei nach dem Motto „Historische Bausubstanz für die Zukunft gerüstet“ ist die Sanierung des Schwarzwaldhofes aus dem 16. Jahrhundert beispielhaft für die Erhaltung der regionaltypischen Schwarzwälder Baukultur. Dafür wurden fast ausschließlich heimische Materialien wie Holz, Granit und Lehm eingesetzt. Holz- und Natursteinbauteile, Holzfaserdämmungen sowie Lehmoberflächen sorgen für ein gesundes Wohnklima und ermöglichen dem Hof einen bemerkenswerten Primärenergiewert. Das Gebäude wird heute als Wohnhaus und Büro genutzt. Der Entwurf für die Sanierung stammt von gk Gössel + Kluge Generalplaner aus Stuttgart, der Holzbau im Tragwerk-Bestand erfolgte durch Holzbau Göppert GmbH aus Schönwald.

Das Quartett der Staatspreise für den Holzbau machte die „Stuttgarter Holzbrücke“ in der Kategorie „Infrastruktur-/Ingenieurbau“ perfekt – wir hatten darüber bereits im Beitrag „`Stuttgarter Holzbrücke` mit Staatspreis Baukultur BW ausgezeichnet“ am 31. März 2020 berichtet.

Die Verkündung aller ausgezeichneten Projekte sollte zugleich Auftakt für eine Wanderausstellung zum Staatspreis Baukultur BW 2020 sein. Aufgrund der Corona-Krise wurde der Start der Ausstellung verschoben. Nach Aussage des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau BW werden die Ausstellungstermine zu gegebener Zeit auf www.baukultur-bw.de bekanntgegeben. Auf der Seite https://www.baukultur-bw.de/initiativ/staatspreis-baukultur-2020/ steht die virtuelle Aufzeichnung der Preisvergabe mit Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut sowie die Übersicht der vergebenen Staatspreise und Anerkennungen zur Verfügung.