29.01.2020 Uwe André Kohler

„Unsere Klimaziele werden wir nur erreichen, wenn wir Beton durch Holz ersetzen!“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Reinhold Müller, müllerblaustein

Gerd Prause, Prause Holzleitplanung

Prof. Ludger Dederich, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

Die Podiumsdiskussion: (von links) Andreas Hofer (IBA 2027), Oliver Hilt (architektenagentur), Moderator Martin Präsler, Tatjana Vautz (vautz mang Architekten), Irene Prieler (grundstein Architekten), Jürgen Stukle (Bürgermeister Frickingen) und Daniel Schaible (Holzbau Schaible)

300 Teilnehmer beim Architekturkongress

Ministerpräsident Kretschmann nimmt Stellung zur Klimawandel-Debatte beim Architekturkongress „LivingWOOD“ in Stuttgart      

Ostfildern, 29. Januar 2020. 300 Teilnehmer des Architekturkongresses „LivingWOOD“ hörten aufmerksam zu, als Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seinem Vortrag zur gesellschaftlichen Debatte über den Klimawandel eine deutliche Aussage machte: „Im Bauwesen braucht es einen Paradigmenwechsel hin zu ressourceneffizientem Bauen. Unsere Klimaziele werden wir nur erreichen, wenn wir beim Bauen umdenken und Beton durch Holz ersetzen, wo immer es geht. Auch deshalb haben wir seitens der Landesregierung die Holzbau-Offensive ins Leben gerufen“ Der Kongress fand im Rahmen der Messe „Dach + Holz International 2020“ statt, die an vier Tagen rund 50000 Besucher nach Stuttgart lockte.

Ministerpräsident Kretschmann bezeichnete den Holzbau „als innovatives Konzept, das neues Leben in hochverdichteten Städten ermöglicht“. Bei der Bewertung des Klimakillers Kohlendioxid, bei dem nach Aussage Kretschmanns „allein Zement für acht Prozent des globalen Ausstoßes verantwortlich ist, geht an Holz kein Weg mehr vorbei“. Das Fazit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten: „Holzbau ist die Chance für klimaschonendes Bauen schlechthin – dies ist auch daran sichtbar, das während meiner rund 30 Minuten Redezeit bereits wieder das Holz für sieben Einfamilienhäuser nachgewachsen ist!“ 

Wie lässt sich das Bauen mit Holz schnell und einfach realisieren? Sind die Planungsprozesse mit Holz einfacher im Vergleich zu anderen Baustoffen? Ist das Bauen mit Holz teurer? Beim Architekturkongress „LivingWOOD“, bei dem die proHolzBW als Mitveranstalter fungierte, vermittelten die Referenten anhand von Best-Practice-Beispielen einen fundierten Überblick über die Möglichkeiten und das Potenzial des modernen Holzbaus. In vier Impulsvorträgen standen die Themenbereiche Tragwerke aus Holz, Digitalisierung im Holzbau, Sicherheit in den Prozessen und Holzbaurichtlinie in Baden-Württemberg im Fokus.

Reinhold Müller, Zimmerermeister und Geschäftsführer von müllerblaustein, stellte mit der Sporthalle in Stuttgart-Waldau ein Objekt vor, das „in modularer Bauweise mit vorgefertigten Wand- und Dachelementen sehr schnell und damit höchst effizient gebaut werden konnte“. Die zuverlässige Umsetzung in der Praxis ist die Basis für den Holzbauer aus der Nähe von Ulm, wobei er in seinem Vortrag auch Bezug nahm zu den Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg: „Mit der politischen Rückendeckung, die wir durch die Holzbau-Offensive des Landes haben, können wir viel bewegen!“.

Auch im modernen Holzbau findet die Digitalisierung laut Gerd Prause von Prause Holzleitplanung, Lindlar, längst Anwendung: „Seit mehr als zehn Jahren planen wir mit dem digitalen Aufmaß, das die komplette technische Gebäudeausrüstung wie Heizung oder Belüftung mit einbezieht“. Für Prause heißt Holzbau-Planung auch immer „eine ganzheitliche Planung über alle Gewerke hinweg“.

Prof. Ludger Dederich, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, stellte in seinem Vortrag ein Forschungsprojekt zur Holzbaurichtlinie in Baden-Württemberg vor. Dabei werden unter anderem die Eigenschaften von Wand- und Deckenelementen aus Holz in Bezug auf Brand-, Schall- und Wärmeschutz untersucht. Das Besondere dabei: Das Forschungsprojekt soll belastbare Aussagen im Vergleich zu konkurrierenden Baustoffen wie Stein, Beton oder Zement ermöglichen. Seine Kernaussage: „Der Holzbau ist dann sicher, wenn er gut geplant wird und vor allem an den Schnittstellen der Planung miteinander kommuniziert wird!“

In Städten und im Umfeld von Ballungsräumen wird das Bauen mit Holz immer wichtiger, insbesondere im mehrgeschossigen Bau, bei der Nachverdichtung und im Bereich der Aufstockungen. Dies zeigte auch die abschließende Podiumsdiskussion  zum Thema „Urbane Entwicklungsräume“, bei der u.a. Andreas Hofer, Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA 27), Daniel Schaible von Holzbau Schaible, Wildberg, und Jürgen Stukle, Bürgermeister der „Holzbau-Gemeinde“ Frickingen, vertreten waren. Das Fazit der Diskussion, die von Martin Präsler moderiert wurde: „Es braucht nach wie vor Mutige, die visionär das Machbare denken, um den Holzbau weiter zu entwickeln!“