02.06.2021 proHolzBW

Konsum oder Kreislaufwirtschaft

proHolzBW-Geschäftsführer Dr.-Ing. Dennis Röver

Was die aktuelle Krise für die Zukunft des Holzbaus bedeuten kann.

Ostfildern, 2. Juni 2021: proHolzBW wirft inmitten der angespannten Lage nicht nur einen Blick auf die herausfordernde Situation, sondern betrachtet auch mögliche zukünftige Szenarien. Die Frage stellt sich, ob neue Lösungsansätze und Perspektiven im Holzbau zumindest langfristig zu einer Verbesserung der Situation beitragen können. Ein Artikel von Dr.-Ing. Dennis Röver, Geschäftsführer proHolzBW GmbH in der Online-Ausgabe von “bauen mit Holz”.

Kein Branchenthema erhitzt aktuell so sehr die Gemüter wie die Verfügbarkeit und Preisentwicklung von Rund- und Schnittholz sowie von Fertigbauteilen aus Holz. Und das nicht ohne Grund – Holzbauunternehmen verfügen über zu wenig Baumaterial, Häuser können nicht termingerecht fertiggebaut werden, Waldbesitzer erzielen für Rundholz keine angemessenen Preise und kleine sowie mittlere Sägewerksbesitzer sitzen ebenfalls teils auf dem Trockenen. Die globalen Märkte für hochwertiges Schnittholz und Holzprodukte laufen heiß, aber auch amerikanische Waldbesitzer bleiben teils auf Rundholz sitzen. proHolzBW wirft inmitten dieser angespannten Lage nicht nur einen Blick auf diese herausfordernde Situation, sondern betrachtet auch mögliche zukünftige Szenarien. Die Frage stellt sich, ob neue Lösungsansätze und Perspektiven im Holzbau zumindest langfristig zu einer Verbesserung der Situation beitragen können.

Ein Markt, der erwachsen wird

proHolzBW hat die Preisentwicklung von Roh- und Baustoffen in den letzten fünf Jahren unter die Lupe genommen. Das Ergebnis auf den ersten Blick: Fertigbauteile aus Holz sowie vorgefertigte Gebäude aus Holz, verfolgen über den genannten Zeitraum hinweg konsistente und stetige Preistrends: Zwischen 2015 und 2021 steigen die Preise bei Fertigbauteilen aus Holz kontinuierlich um etwa 3 % pro Jahr; im gleichen Zeitraum legen die Preise bei vorgefertigten Gebäude aus Holz um etwa 4 % pro Jahr zu. Die Ausschläge nach oben und unten sind marginal. Preise für Rundholz dagegen stagnieren bis Anfang 2018 und verzeichnen dann bis in den Spätsommer 2020 einen deutlichen Preisverfall. Die Gründe sind bekannt: Dürresommer und Käferbefall ließen im Wald große Mengen Schadholz entstehen. Ein Überangebot ist entstanden, das den Markt für Rundholz in einen Käufermarkt verwandelt hat. Nach einer langen Talfahrt mit nur kurzen Verschnaufpausen ging es im Oktober 2020 komplett in den Keller, mit einem Preisverfall von knapp einem Drittel in einem Zeitraum von nur drei Jahren. Zuletzt zeichnete sich eine leichte Erholung von den Tiefständen ab.

Starke Fluktuationen bei Erzeugerpreisen von bis zu 30 % bis 40 % innerhalb eines Jahres kennt die Industrie von Baumaterialien wie Betonstahl oder Bitumen derweil schon lange. Die nationale und regionale Wertschöpfungskette Forst und Holz wird, wie alle Branchen, direkt und teils auch schmerzlich durch globale Märkte beeinflusst. Die Gründe hierfür wurden in den Fachmedien hinreichend aufgegriffen und analysiert: der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada, Produktionskürzungen in amerikanischen Sägewerken wegen Covid-19 im Jahr 2020 und die in der Folge komplett aufgebrauchten Vorräte von hauptsächlich hochwertigem Nadelschnittholz und Holzfertigprodukten führten durch den Bauboom, der 2020 zunehmend Fahrt aufnahm und dieses Jahr so richtig in Schwung kommt, zu einem drastischen Mangel an Bauholz in den USA. Aber auch Länder wie China haben einen dauerhaft hohen Bedarf an Holzimporten. Verstärkt wird der Mangel durch Hamsterkäufe von Handel und Holzbaubetrieben, die zu weiteren Engpässen am Markt führen. Die Folge: Holzbauunternehmen und Zimmerer in Deutschland, aber auch über die Landesgrenzen hinaus, müssen ihre Arbeit wegen Holzmangels unterbrechen, Preise steigen in schwindelerregende Höhen.

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