02.11.2021 Uwe André Kohler

Der Holzbau kommt in die Städte zurück

Prof. Stefan Krötsch, HTWG Konstanz.

Joachim Hörrmann, Holzbau-Koordinator proHolzBW.

Innengestaltung mit Holz im Grauen Haus in München.

Illwerke Vadams.

Die Zentrale des Energieerzeugers Illwerke in Vandans (Vorarlberg).

Prof. Stefan Krötsch zu Gast bei der Veranstaltungsreihe von proHolzBW und Holzbau-Offensive BW.

Ostfildern, 2. November 2021. Die planerischen Grundlagen des Holzbaus skizzierte Prof. Stefan Krötsch von der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung bei einem weiteren Termin der Online-Veranstaltungsreihe „Holzbau Heute“ von proHolzBW und der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg. Seine zentrale Aussage: „Holz ist ein Naturprodukt und damit in der Planung kein einfacher Baustoff, aber die vielen Vorteile lohnen es, sich mit dem Holzbau zu beschäftigen.“ Krötsch, der seit 2018 am Bodensee als Professor für Entwerfen und Baukonstruktion lehrt, hatte seinen Vortrag in drei Schwerpunkte gegliedert: Zum Beginn der Präsentation zeigte er die Vorteile des Holzbaus auf, im Anschluss beschrieb der die unterschiedlichen Konstruktionen im mehrgeschossigen Holzbau. Den Abschluss bildete die Darstellung der Potentiale beim Bauen im Bestand.

Rund 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entstehen nach Aussage von Krötsch im Bausektor, davon „gehen bis zu 9 Prozent auf die Herstellung von Zement zurück“. Da wundert es nicht, dass der Konstanzer Architekt die ökologische Bedeutung des Baustoffes Holz in den Vordergrund stellte: „In der Öko-Bilanz ist Holz in vielen Kategorien führend, der Holzbau ist zudem leicht und tragfähig.“ Auch bei der sogenannten grauen Energie, die für jedes Produkt den Energiebedarf für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung umfasst, kann Holz laut Krötsch punkten: „Die Fabrik, in der Holz hergestellt wird, ist der Wald.“ Und diese einzigartige Produktionsstätte sorgt auch dafür, dass „Deutschland innerhalb der EU über die größten Holzvorräte verfügt. Die Hälfte der jährlichen Holzernte würde ausreichen, um alle neuen Bauvorhaben aus Holz zu bauen“.

Mit der Aussage „der Holzbau kommt in die Städte zurück“ nahm Krötsch Bezug zu Prognosen, die vorhersagen, wo die Menschen in der Zukunft leben werden: „70 Prozent der Weltbevölkerung wählen 2050 die Stadt als ihren Wohnraum. Dies bedeutet: Wenn man das ökologische Potential von Holz nutzen möchte, muss der Holzbau urban werden.“ Und damit kommt der mehrgeschossige Holzbau ins Spiel: Krötsch stellte mit der Wohnbebauung Zollfreilager in Zürich und dem Verwaltungsgebäude des Energieerzeugers Illwerke in Vandans (Vorarlberg) zwei Beispiele vor, die auf unterschiedlichen Konstruktionen basieren. Bei den Wohngebäuden kam eine hohe Vorfertigung mit Tafelbauwänden zum Tragen, die neue Zentrale der Illwerke wurde in Skelettbauweise mit sichtbarem Holz-Tragwerk erstellt.

Beim Bauen im Bestand hat der Holzbau laut Krötsch besondere Potentiale: „Unter ökologischen Gesichtspunkten wird die Verwendung von Holz hier noch besser bewertet als beim Neubau.“ Wobei die Sanierung und Erweiterung von Bestandsgebäuden in erster Linie die Reduzierung der Betriebsenergie im Fokus habe. Das Graue Haus in München ist laut Krötsch „ein gutes Beispiel für die energetische Sanierung eines bereits zum Abriss vorgesehen Mehrfamilienhauses, das als neu gestaltetes Einfamilienhaus mit einem Heizwärmebedarf von 20 kWh/m² nahezu Passivhausstandard erreicht“. 

proHolzBW bedankt sich bei allen Teilnehmern sowie dem Referenten für die gelungene Veranstaltung! Wir freuen uns auf den nächsten Termin der Seminarreihe „Holzbau Heute – eine Schulungsreihe für Kommunale Entscheider“ und laden Sie herzlich ein, seien Sie wieder dabei am 09.November! 

Zur Schulungsreihe Holzbau Heute
Mit der Holzbau-Offensive rückt die Landesregierung Baden-Württembergs das klimabewusste Bauen in den Fokus. Nachhaltiges Bauen und Betreiben unserer gebauten Umwelt ist ein wesentlicher und wirtschaftlicher Beitrag zur Klimawende. Das öffentliche Bauen hat dabei eine Vorbildfunktion. Kommunale Entscheider von Gemeinderäten bis Bürgermeistern und Land- oder Kreisräten sind ein wichtiges Bindeglied zu den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes. Öffentliche Bauvorhaben sind daher wichtige Botschafter für den Wandel hin zu einer nachhaltigen Baukultur. Denn auch im Nichtwohnbau bietet Holz erstaunliche Konstruktionsvarianten. Intelligente Holzmischbauweisen speichern Kohlenstoff und sind die Lösung für Kindertagesstätten, Feuerwehrhäuser, Rathäuser, Kultureinrichtungen, Klinikbauten oder Schulen. Dazu werden zu allen relevanten Fragestellungen Fortbildungen angeboten, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen. Corona-bedingt finden alle Termine digital statt.

Informationen zur nächsten Veranstaltung erhalten Sie hier .