06.05.2022 Uwe André Kohler

Holzbau und Schallschutz – das geht zusammen.

Wohnanlage in Innsbruck

Schalltechnisch richtig planen

Laboruntersuchungen und Qualitätsüberprüfung mittels Messtechnik

Prof. Dr. Anton Kraler beschreibt bei „Im Detail“ die Voraussetzungen für akustikreduziertes Wohnen und Arbeiten in Holzgebäuden.

Ostfildern, 27. April 2022. Stell´ Dir vor, Du wohnst in einem Holzgebäude und keiner hört Dich? Keiner hört Dich und Du selbst nimmst von Deinen Mitbewohnern in der Familie oder in der WG auch nichts wahr? Dann sind wir beim Thema: Holzbau und Schallschutz – geht das zusammen, wo doch nach wie vor manche davon sprechen, dass der Holzbau hellhörig wäre? Es geht zusammen – und es kommt auf die Planung und Umsetzung an. So das klare Fazit von Prof. Dr. Anton Kraler von der Universität Innsbruck bei seinem Vortrag im Rahmen der „Holzbau-Donnerstage“.

„Im Detail“ an jedem zweiten Donnerstag im Monat ist das Format, das bei den gewählten Themen in die Tiefe geht. So auch bei Prof. Kraler, der die wesentlichen Inhalte des Schallschutzes im Holzbau vorstellte. Auf was kommt es an? Zuerst einmal auf die richtige Deutung der Begriffe: „Raum- und Bauakustik werden häufig verwechselt. Erstes beschreibt die akustischen Eigenschaften eines Raumes, wenn sich die Schallquelle innerhalb des Raumes befindet. Bauakustik beschäftigt sich mit der Schallübertragung zwischen zwei Räumen bzw. eines Raumes innen und außen“, erläuterte Kraler.

Die richtige Planung bei Luft- und Trittschallschutz beinhalte verschiedene Elemente wie „die Grundrissgestaltung, die Materialwahl sowie die Detailausbildung bei Verbindungen und Abdichtungen“. Dabei sei es wesentlich, so Kraler weiter, „Wohnungstrennwände so kurz wie möglich zu halten und eine bauliche Trennung zwischen Wohn- und Nutzungseinheiten vorzunehmen“. Und: „Schallschutz im Holzbau bedeutet immer den Einsatz von mehrschaligen Bauteilaufbauten.“

Studien, bei denen der Trittschallschutz von verschiedenen Rohdecken beim selben Bodenaufbau untersucht wurden, hätten die Vorteile von Holzbetonverbunddecken im Vergleich zu Brettsperr- und Hohlkastendecken aufgezeigt. Der Universitätsprofessor fasste das eindeutige Ergebnis zusammen: „Den Unterscheid macht die fehlende Masse in Form von schwerer Schüttung aus.“

Wie es in der konkreten Umsetzung funktioniert, zeigte Kraler an drei realisierten Projekten unterschiedlicher Nutzung: Zum einen beim kirchlichen Bildungshaus St. Michel der Diözese Innsbruck in Matrei am Brenner, das in Massivholzbauweise inmitten der Tiroler Bergwelt errichtet wurde. Zum anderen beim Neubau einer zehn Wohnungen umfassenden Anlage in Innsbruck sowie bei der Aufstockung mit Holz des Hauses Museumstraße im Herzen der Tiroler Landeshauptstadt.

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Der Vortrag von Prof. Dr. Anton Kraler war der zweite Termin des Formates „Im Detail“ (an jedem zweiten Donnerstag eines Monats) im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Holzbau-Donnerstage“. Die weiteren Formate heißen: „Werkvortrag“ an jedem ersten Donnerstag eines Monats, „Cluster innovativ“ am dritten sowie abschließend „Ressource Wald und Holz“ am vierten Donnerstag eines Monats.

Nächster Vortrag “Im Detail” am 12. Mai 2022.

Die neue Reihe „Holzbau-Donnerstage“ organisiert und veranstaltet proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg. In der Holzbau-Offensive haben sich sechs Ministerien des Landes zusammengeschlossen, die Federführung liegt beim Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz BW.