04.04.2022 Uwe André Kohler

Klimawandel: Neue Baumarten mit Risiken und Unwägbarkeiten.

Laubheu-Gewinnung durch Schneitelung, Ghetari /West Karpaten (Apuseni), Rumänien, 15.10.2005

Brandrodung: Wechsel von Landwirtschaft und Waldnutzung

Ranking der klimaresistenten Baumarten, allen voran Douglasie (nicht heimisch) und Berg-Ahorn (heimisch)

Hans Carl von Carlowitz (1645 1714), Bild: wikipedia.org

Auftakt des Formates „Ressource Wald und Holz“ mit Prof. Dr. Albert Reif.

Ostfildern, 4. April 2022. Von der Entwicklung des Waldes in Europa über die Nutzung heute bis zu den Thesen zum Wald der Zukunft – die Auftaktveranstaltung „Ressource Wald und Holz“ im Rahmen der „Holzbau-Donnerstage“ mit Prof. Dr. Albert Reif zeigte alle forstlichen Facetten. Eine Kernaussage einer laut Prof. Reif „ungewissen Zukunft des Waldes: Die Zusammensetzung der Baumarten muss unter sich ändernden Klimabedingungen neu bewertet werden“.

Prof. Dr. Albert Reif kann auf einen immensen Erfahrungsschatz zurückgreifen: Der studierte Biologe und Chemiker hatte 29 Jahre lang bis September 2018 die Professur für Standorts- und Vegetationskunde an der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg inne. Reif weiß, von was er spricht – zu den Schwerpunkten seiner Lehre und Forschung gehörten die Bereiche Waldvegetation, Landnutzung sowie Naturschutz.

Bei der historischen Betrachtung ausgehend vom Urwald erläuterte Reif unter anderem die Entwicklung von Nieder- und Mittelwald wie auch die Folgen der früher häufig durchgeführten Brandrodungen. „Der riesige Holzbedarf für Flößerei, Köhlerei und die Verhüttung im Bergbau führte zu einer regelrechten Holznot“, so Reif in seinen Ausführungen. Erst mit dem sächsischen Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714), der als erster die Prinzipien der Nachhaltigkeit formulierte, kam der Wandel von der Holznot zur zukunftsfähigen Forstwirtschaft. Mit deutlichen Folgen für den Wald beispielsweise durch die Aufforstung mit Nadelholz oder den Aufbau von Monokulturen.

Die aktuelle Situation und Nutzung des Waldes ist für Reif geprägt von Begriffen wie Stürme, Trockenheit, Waldumbau und Naturschutz: „Durch das Waldsterben der 1980er Jahre, den Sturmwürfen der 1990er Jahre und der Trockenheit infolge der Klimaänderung seit den 1990er Jahren erfolgt der Waldumbau vom Altersklassenwald zum Dauerwald.“ Seiner Einschätzung nach „ist es ein sinnvolles Ziel, die natürliche Waldentwicklung auf fünf Prozent der gesamten Waldfläche in Deutschland auszudehnen“.

Die Zukunft des Waldes skizziert Reif „als ungewiss“, was sich nicht nur auf die künftige Zusammensetzung der Baumarten beziehe, sondern auch auf die These, dass eine produktive Forstwirtschaft auf bestimmten Standorten nicht mehr möglich sei. „Neue Baumarten werden kommen, diese bedeuten aber auch neue Risiken und Unwägbarkeiten“, so Reif in seiner Prognose.

Der Vortrag von Prof. Albert Reif „Waldnutzung in Europa – Vergangenheit und Zukunftsperspektiven“ war Auftakt des Formates „Ressource Wald und Holz“ im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Holzbau-Donnerstage“. Die weiteren Formate heißen: „Werkvortrag“ an jedem ersten Donnerstag eines Monats, „Im Detail“ eine Woche später, „Cluster innovativ“ am dritten sowie abschließend „Ressource Wald und Holz“ am vierten Donnerstag eines Monats.

Die neue Reihe „Holzbau-Donnerstage“ organisiert und veranstaltet proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg. In der Holzbau-Offensive haben sich sechs Ministerien des Landes zusammengeschlossen, die Federführung liegt beim Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz BW.