17.02.2026
"Sehr viel Umfang, sehr viel Masse, sehr viel Holz": Das Buff Medical Resort in Konstanz.
Michael Künstle, Baustatik Relling
Christoph Mayer, Willi Mayer Holzbau
Das Holzhybridgebäude besteht aus drei Stahlbetonkernen, darauf ein betoniertes Erdgeschoß sowie darüber ein fünfgeschossiger Holzbau
Sichtbare Holzoberflächen im Innern
Das CAD Modell aus der Arbeitsvorbereitung für den Holzbau
Blick von oben mit fertig aufgerichtetem Holzbau und Abdichtung
Wichtig bei einem Projekt dieser Größe: Eine funktionierende Feuchteschutzwand
Innenansicht mit Flur und Einzelzimmern
Innenansicht Eingangshalle
Der komplexe Holz-Hybridbau in malerischer Lage am Bodensee im ersten Werkvortrag des Jahres.
Ostfildern, 17. Februar 2026: Beim ersten Werkvortrag des Jahres stellten Michael Künstle vom Statikbüro Baustatik Relling GmbH sowie Christoph Mayer vom ausführenden Holzbauunternehmen Willi Mayer Holzbau GmbH & Co. KG das ehrgeizige Projekt „Buff Medical Resort“ in Konstanz vor, ein Holzhybridbau mit drei Treppenkernen, dem Erdgeschoss sowie dem Untergeschoss in Stahlbetonbauweise sowie den oberen Geschossen in Holzbauweise.
Gerade im klinischen Bereich kommt die Holzbauweise immer noch sehr zögerlich zur Anwendung, obwohl die Qualitäten von Holz – sei es die natürliche und beruhigende Haptik oder die antibakteriellen Oberflächen – eigentlich das natürliche Baumaterial für klinische Bauten geradezu prädestinieren. Das Buff Medical Resort in Konstanz geht daher mit gutem Beispiel voran. Michael Künstle, Partner im Büro Baustatik Relling stellte den rund 100 Teilnehmern die Baustatik der Anlage vor. Christoph Mayer, Geschäftsführer von Willi Mayer Holzbau in Bisingen präsentierte die ausgeführten Holzarbeiten. Generalunternehmer war Rebholz Architekten.
Schottenbauweise und Stahlbetonkerne.
Das Buff Medical Resort wurde auf einem der letzten freien Grundstücke direkt am Bodensee errichtet und konsequent in Schottenbauweise mit gleichen Spannweiten umgesetzt. Künstle: „Der Holzbau war nicht nur der Wunsch des Auftraggebers, sondern auch die wirtschaftlichste Variante.“ Auch die Rohdecken innen sind geblieben und sorgen mit sichtbaren Holzoberflächen für eine angenehme Atmosphäre. Aufgrund der besonderen Bodenverhältnisse, dem Beckenton, wie er in der Nähe des Bodensees vorkommt mit starkem Setzungspotential, musste das Gebäude auf Basis einer Pfahlgründung errichtet werden. Die in Holzbau aufgesetzten Geschosse boten dann allerdings viele Vorteile durch die Leichtigkeit des Baumaterials. Eine weitere Herausforderung war die Erdebenzone, die besondere Bedingungen für die Statik erfordert. Durch die Schottenbauweise und die Stahlbetonkerne konnten diese Anforderungen aber gut bemessen und aufgefangen werden.
Toleranzen und andere Herausforderungen.
Christoph Mayer gab zuerst Einblicke in die Vergabeverhandlungen, und stieg dann in die technischen Details des Holzbaus ein. „Sehr viel Umfang, sehr viel Masse, sehr viel Holz“, so Christoph Mayer: In der CAD-Zeichnung mit ca. 1.300 Mannstunden wurden alle Details so genau wie möglich vorgeplant, die Arbeitsvorbereitung fand komplett in-house statt. Die Dimensionen zeigen sich auch in den verarbeiteten Mengen an Holz: 5.000 Quadratmeter Innenwände, 12.000 Quadratmeter Deckenelemente und 2.750 Quadratmeter Außenwände CLT und Holzständer wurden im Gebäude verbaut. Die Produktion im Werk der Fa. Mayer erstreckte sich über 6 Wochen. Die im Gebäude verbauten rund 3.500 Kubikmeter verbautes Holz können wiederum ca. 3.500 Tonnen CO2 speichern. Auch in Bezug auf die Wiederverwendbarkeit sticht der Holzhybridbau hervor: „Das komplette Gebäude ist rückbaubar“, so Michael Künstle. „Da muss das Bauen wieder hingehen, dass wir nicht nur ökologisch bauen mit Holz, sondern dass wir auch ökologisch bauen im Sinne einer Wiederverwertbarkeit.“
Christoph Mayer wies im Zusammenhang der Baustelle auf die Wichtigkeit des Witterungsschutzes hin: „[…] die Wetterschutzfolie kann man mittlerweile sehr einfach aufkleben“, so Mayer. „Das wird zum Teil noch etwas nachlässig betrachtet, und das ist ein sehr wichtiger Punkt bei so einem großen Projekt“.
Eine weitere Herausforderung waren die Toleranzen zwischen Holz- und Massivbau von bis zu 6 cm, die jedoch in diesem Fall problemlos im Holzbau gelöst werden konnten, zum Beispiel durch entsprechende Bestellmaße oder nachträgliches Zusägen der Bauelemente. Michal Künstle: „Zum Zeitpunkt der Holzbestellung mussten wir den planerischen Status Quo übernehmen und dann kurzfristig auf der Baustelle reagieren […]“. Mit Details zum Brandschutz schloss Michael Künstle den Vortrag.
Fotos:
Baustatik Relling GmbH/Willi Mayer Holzbau GmbH & Co. KG
Der Holzbau-Donnerstag
Der “Holzbau-Donnerstag” bietet zwei kostenfreie Formate, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen – der „Werkvortrag“ und „Im Detail“. Der Holzbau-Donnerstag ist eine Veranstaltung von proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive BW.