28.07.2026
"Wir brauchen eine etablierte Nutzungsstrategie Laubholz"
Beispiele für konstruktiv eingesetztes Laubholz. Abb. v. li. oben: bernath+widmer; Lucas Peters Photography Zürich; timbatech; hasslacher.com; pollmeier.com; baunetzwissen;
Dr. Sascha Bicke, Fachochschule Erfurt
Zusätzlicher CO2-Speicher durch Holzprodukte (HWP)
Lösungen für die Verwendung von Laubholz im Bauen aus Sicht der Forschung am Holzbau-Donnerstag vom 02. Juli 2026.
Ostfildern, 28.07.26: Beim Online-Seminar „Werkvortrag“ referierte Dr. Sascha Bicke von der Fachhochschule Erfurt zum Einsatz von Laubholz als klimafreundlichem und konstruktivem Baumaterial aus Sicht der Forschung – denn Laubholz bringt ganz eigene Voraussetzungen mit bezüglich Planung und Bearbeitung. Viele Unternehmen sind noch nicht ausgerüstet, um Laubholz bearbeiten zu können. Dr. Bicke gab den Teilnehmern Einblicke in die aktuelle Forschungslage zur Verwendung von Laubholz und die Möglichkeiten der Kohlenstoffspeicherung in Holzprodukten.
Projekte InnoWood und C-Flüsse
Wie lassen sich klimafreundliche und ressourceneffiziente Bauweisen stärken und etablieren? Während Nadelhölzer in den Wäldern drastisch abnehmen durch Sturm-, Käfer und Klimaschäden nimmt der Bewuchs mit Laubhölzern kontinuierlich zu. Der Holzvorrat von Fichte ist innerhalb von 10 Jahren um mehr als 16 % gefallen – ein wesentliches Defizit, das für die Zukunft der Holzverfügbarkeit und Holzverwendung entscheidend ist. Laubholz überzeugt mit Vorteilen wie hohen Festigkeiten und Materialeffizienz. Wird Laubholz in der Zukunft eine tragende Säule für die Wertschöpfungskette Holz sein? Das Projekt „InnoWood“ erforscht klimafreundliche Lösungen zur Laubholzverwendung im mehrgeschossigen Bauen und Modernisieren. Gemeinsam mit dem Projekt C-Flüsse zielt es darauf ab, die Potenziale von Laubholz und dessen Verfügbarkeit im Bausektor zu erschließen und die Kohlenstoffflüsse (daher „C-Flüsse“) entlang der gesamten Wertschöpfungskette Holz zu bilanzieren. Das Projekt untersucht die Auswirkungen des Waldumbaus und der Marktveränderungen auf die ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen und entwickelt Prognosen zur langfristigen Sicherung nachhaltiger Holznutzung. „Im Projekt C-Flüsse werden Szenarien erstellt und bilanziert, um fundierte Handlungsoptionen für eine zukunftsfähige, klimawirksame und ressourcen-effiziente Entwicklung der Holz- und Forstwirtschaft aufzuzeigen “, so Bicke.
Können Holzprodukte dauerhaft CO2 speichern?
Aus den Forschungsergebnissen von C-Flüsse lässt sich ablesen, dass neben der „Basis“-Kohlenstoffspeicherung durch den Wald Millionen Tonnen von Kohlenstoff über „Harvested Wood Products“ (HWP) dauerhaft gespeichert werden können. Selbst bei einem minimal-Szenario wären es bis 2097 noch 50 Millionen Tonnen CO2, bei einem Positiv-Szenario bis zu 200 Millionen Tonnen CO2, die durch Holzprodukte zusätzlich aufgenommen werden können. Bicke: „Da sieht man, dass die Kohlenstoffspeicherung ein sehr wesentlicher Faktor in der Holznutzung ist“ Darüber hinaus zeigte eine Meta-Studie, dass der Displacementfaktor bei der Substitution von Beton oder Stahl durch Laubholz enorm ist: „Mit jeder Tonne Kohlenstoff aus Holz spare ich zwei Tonnen fossilen Kohlenstoff“, so Bicke.
Laubholz als konstruktives Baumaterial
Laubholz findet verstärkt Anwendung im ingenieurmäßigen Skelett- und Hybridbau – zum Beispiel als LVL (Laminated Veneer Lumber). Eingesetzt werden kann es aber bei vielen anderen Holzbausystemen. Wichtig ist, dass Produkt- und Markentwicklungen im Bereich Laubholz Defizite wie Feuchtigkeitsanfälligkeit beim Materialverhalten berücksichtigen. Für den Markt entwickelte Produkte sind zum Beispiel AHBSP (aufgelöste hybride Brettsperrholzdeckenelemente) wie „LaNaSys“ (TUM), ein Holzbausystem aus Buche und Fichte; Buchefurnier „lignum“ der Universität Graz oder TCC (Holz-Beton-Verbundsysteme) aus Buche und Fichte der ETH Zürich. So kommt es immer auf den Rohstoffmix und die verwendeten Baumarten an. Bicke: „Wir brauchen eine etablierte Nutzungsstrategie Laubholz“. Die Industrie muss sich für die Be- und Verarbeitung von Laubholz spezifizieren und teils auch umstellen. Andere Stammabschnitte, andere Schnittbilder, angepasste Trocknungsmethoden oder die Etablierung angepasster Festigkeitssortierungen: Laubholz stellt erst einmal Herausforderungen, bevor die Produktion von Laubholzprodukten in die Masse gehen kann. Die Serienfähigkeit sowie die Skalierbarkeit ist allerdings Voraussetzung für den Standard-Einsatz von Laubholzprodukten im Ingenieurholzbau, ebenso die Kapitalisierung der Wertschöpfungskette Laubholz. Bicke: „Laubholz wird nicht durch Verfügbarkeit etabliert, sondern durch marktfähige Produkte und skalierbare Klimawirkung.“
Projektseite der Fachhochschule Erfurt
Der Holzbau-Donnerstag
Der “Holzbau-Donnerstag” bietet zwei kostenfreie Formate, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen – der „Werkvortrag“ und „Im Detail“. Der Holzbau-Donnerstag ist eine Veranstaltung von proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive BW.