06.08.2026
„Win-win Situation mit Nachverdichtung und Bestandsmodernisierung“
Dipl.-Ing. Architektin / M.Eng. Holzbau Tabea Huth, TU München
Visualisierung Sindelfinger Strasse, Tübingen. Quelle: TUM
Transferebene Aufstockung Gelber Block, München. Foto Tabea Huth
Baugruppensystematiken, Sindelfinger Strasse Tübingen. Quelle TUM
„Im Detail“ vom 09. Juli zum Thema DENSITIM am Holzbau-Donnerstag.
Ostfildern, 06.08.26: Beim Online-Seminar „Im Detail“ stellte Tabea Huth von der TU München das Projekt DENSITIM (Urban Densification Timber System) vor. DENSITIM erforscht die Entwicklung einer Baugruppensystematik im Rahmen der urbanen Nachverdichtung mit Holz. Dabei geht es vor allem um Aufstockungen bis Gebäudeklasse 5 mit Blick auf die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum.
Das Projekt DENSITIM wurde unterstützt durch die GWG Tübingen (GWG – Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Tübingen mbH) als Praxispartner. Die GWG hat verschiedene Referenzgebäude für das Projekt zur Verfügung gestellt. Auch das Holzbau-Unternehmen und Systemanbieter müllerblaustein hat das Forschungsprojekt in der Praxis bei technischen Fragestellungen zu Konstruktion und Entwicklung unterstützt.
Win-win Situation mit Nachverdichtung und Bestandsmodernisierung
Forschungsziel von DENSITIM ist die Entwicklung einer flexiblen, vorgefertigten Baugruppensystematik für die Nachverdichtung mit der Erstellung eines Leitfadens für Planer und Bauherrn. Durch Aufstockung könnten in deutschen Großstädten 1,12 Millionen neue Wohnungen geschaffen werden – zwei Millionen Wohnungen fehlen, die Wohnungsnot wird immer akuter. Hier kommen die Zeilenbauten der Nachkriegsjahre der 1950er bis 1970er Jahre ins Spiel: Diese eignen sich aufgrund ihrer Konstruktionsweise besonders für die urbane Nachverdichtung mit Aufstockung von ein bis zwei Geschossen in Holzbauweise. „Durch die systematische Bauweise entsteht eine Win-Win Situation, die mit der Nachverdichtung einhergehenden Bestandsmodernisierungen beheben strukturelle, technische und energetische Defizite“, so Tabea Huth.
Von der Gebäude-Typologie zur Baugruppe
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde der aktuelle Bedarf von Wohnraumbedarf und Wohnraumgrößen kalkuliert. Die aufzustockenden Bestandsgebäude wurden untersucht und daraus Gebäude-Typologien für eine serielle Umsetzung definiert. Geschoßtiefe, Treppenhausaufgänge und Erschliessungstypen: Die neuen Baugruppen wurden so geplant, dass die Grundfläche maximal ausgenutzt werden konnte, es möglichst große Variabilität bei den Wohnungsgrößen gab und alle Typen auch untereinander gut kombinierbar waren. Auch die Förderfähigkeit musste gegeben sein. Ein Funktionskern wurde konzipiert, der alle Elemente von Technik bis Bad enthält und maximal vorgefertigt ist. Je nach Anordnung sind mehrere Wohnungstypen kombinierbar und können dadurch hohe Flexibilität und soziale Durchmischung bieten. Vier Typen von Exostruktur wurden realisiert, Kriterien hierfür waren die Transportlängen, Qualitätssicherung, Vorfertigungsgrad und die Montagefreundlichkeit. Im Rahmen des Projekts wurden vielfältige Aufstockungsvarianten als Leichtbaukonstruktionen aus Holz im Kontext der unterschiedlichen Bestandbauten untersucht und umgesetzt. Aus allen Typen für Wohnungen, Tragwerk und Funktionsbereichen ist am Ende die Baugruppentypologie entstanden. Weiter wurden acht Ausbaustufen definiert, von Aufstockung und energetischer Sanierung bis hin zu ein- oder zweiseitiger Wohnraumerweiterung.
Die Vorteile der Baugruppensystematik liegen auf der Hand: Durch die Wiederholbarkeit der Anwendung werden zukünftig Planungsaufwendungen reduziert, eine genauere Kostenplanung ermöglicht und das serielle Bauen stärker auf industrieller Ebene verankert. Von besonderer Bedeutung ist, dass die Systematisierung nicht an einzelne Hersteller oder Produkte gebunden ist und somit auch mit Blick auf eine marktoffene Ausschreibung Erleichterungen für Bauherren und Planer darstellt.
Im September 2026 soll zum Forschungsprojekt ein Leitfaden für die Umsetzung für Planer und Bauherren entstehen, der auf der Webseite der TU München abgerufen werden kann. Das Projekt DENSITIM zeigt eindrücklich, dass die Holzbauweise nicht nur hervorragend für städtische Nachverdichtung und Aufstockungen generell geeignet ist. Der Holzbau bringt alle Voraussetzungen mit, um klimafreundlich, kosteneffizient und schnell neuen Wohnraum zu schaffen – eine der dringendsten Aufgaben für heutige Bauherrn und Quartiersplaner.
DENSITIM – Lehrstuhl für Architektur und Holzbau
Der Holzbau-Donnerstag
Der “Holzbau-Donnerstag” bietet zwei kostenfreie Formate, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen – der „Werkvortrag“ und „Im Detail“. Der Holzbau-Donnerstag ist eine Veranstaltung von proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive BW.