21.07.2026
„Abfall ist ein Designfehler“: Vom Material zum Mehrwert am Beispiel des Cradle-to-Cradle-Markts Loop.
LOOP Markt Haimhausen Visualisierung Johannes Zettel
The Cradle, Düsseldorf Visualisierung: HPP Architekten
Rathaus Venlo, Niederlande Foto: Kraaijvanger Architecten
Andrea Heil, EPEA GmbH
Thema Kreislaufwirtschaft im Holzbau bei „Im Detail“ am Holzbau-Donnerstag vom 18. Juni 2026.
Ostfildern, 21.07.26: Beim Online-Seminar „Im Detail“ referierte Andrea Heil von der EPEA GmbH über das Thema Kreislaufwirtschaft im Holzbau. Am Beispiel des Cradle-to-Cradle-Markts Loop in Haimhausen bei München erläuterte die Referentin, wie aus Material Mehrwert entsteht.
Zirkulär, zertifiziert, gesund
Der Holzbau bietet die idealen Voraussetzungen für zirkuläres Bauen. Denn der Rohstoff ist nicht nur an sich nachwachsend und nachhaltig, Gebäude in Holzbauweise speichern ihr ganzes Leben lang CO2. Um wirklich kreislauffähig zu sein, muss auch der Holzbau und seine Produkte und Bauelemente sortenrein, trenn- und rückführbar sein. Hierfür braucht es Lösungen wie Rohstoffdatenbanken, Monitoring und die Dokumentation einzelner Elemente und Produkte. EPEA, ein Tochterunternehmen der Drees & Sommer Gruppe mit Sitz in Stuttgart, bietet Cradle-to-Cradle-Produkte, Tools und Beratung an für Unternehmen, die kreislauffähig bauen möchten.
„Wir haben auch ein Materialproblem“
Die Referentin Andrea Heil hat Bauingenieurwesen an der TU München studiert und betreut als Senior Consultant den Bereich Cradle-to-Cradle bei EPEA. „Im Moment ist CO2 und vielleicht noch der Energieverbrauch die Währung, in der Nachhaltigkeit gemessen wird. Aber wir haben auch ein Materialproblem bezüglich Rohstoffverbrauch und Abfall“, so Heil. Während der Verbrauch von Rohstoffen in den letzten Jahrzehnten überdimensional steigt, hat sich die Recyclingrate seit Erfassung der Daten nur um vernachlässigbare 7 % gesteigert. Abfallmengen, wie sie beim linearen Bauen entstehen, kann sich das Ökosystem nicht mehr leisten. Heil: „Wir brauchen keine Entsorgungskonzepte, sondern wir müssen vorne ansetzen – mit ganz neuen Designkonzepten, damit man am Ende wieder Rohstoffe entnehmen kann“. Wir dürfen nicht mehr die Frage stellen „Holz oder Beton“, so Heil. Die eigentliche Frage lautet „Ist das Gebäude anpassbar? [an die jeweilige Nutzerbedürfnisse]“, so Heil.
Von der Holzkaskade zur wollwertigen Kreislauffähigkeit
Allein die Kaskadennutzung des Rohstoffes Holz, was als Konzept noch keine vollwertige Zirkularität darstellt, bildet die ersten Säulen der Kreislauffähigkeit – von der Sortenreinheit der Materialien, kurzen Transportwegen und nachhaltiger Waldwirtschaft bis hin zur eigentlichen Kaskade Konstruktionsholz – Furnierschichtholz – Faser- oder Spanplatten und dann die energetische Verwertung.
„Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit beginnt bei der Materialidentität“: Der Circularity Passport, der Gebäuderessourcenpass der DGNB oder der EPEA Materialpass dokumentieren Energieverbrauch, CO2-Fussabdruck und Materialzusammensetzung des Baumaterials, welches als Konstruktionsmaterial für ein neues Gebäude wieder verwendet werden soll. Diese Materialerfassung ist die Grundsatzvoraussetzung für „Urban Mining“, also Städte, Stadtteile und Gebäude als Rohstofflager für neue Gebäude zu verwenden. Durch die Weiterverwendung der Sekundärbaustoffe entsteht sowohl bei Aufstockungen und Nachverdichtungen, als auch bei Neubauten ein enormes Mehrwertpotential.
LOOP Markt Haimhausen
Der LOOP-Markt in Haimhausen ist ein herausragendes Beispiel für ein vollwertig zirkulär geplantes und errichtetes Gebäude. Der Wunsch des Bauherrn Ratisbona war „ein gesundes, kreislauffähiges Gebäude“ zu errichten, und zwar von den Außenanlagen über die Konstruktion bis hin zu den Regalen, der Beleuchtung oder dem Kassenzettel. EPEA hat das Projekt mit dem Circularity Passport begleitet, um die Kreislauffähigkeit, Materialdokumentation und Transparenz von der ersten Planungsphase an sicherzustellen. Der Bau von Supermärkten stellt besondere Anforderungen an die Projektteams – in relativ kurzer Bauzeit entsteht nicht nur ein Gebäude in serieller Fertigung, sondern es müssen auch Sonderanforderungen wie zum Beispiel Chemikalienbeständigkeit durch die Integration von Metzgereien oder Bäckereien beachtet werden. Materialien und Böden müssen strapazierfähig sein, gleichzeitig sollen Oberflächen reinigungsfreundlich sein. Die Referentin ging auf herausfordernde Schnittstellen ein – wie zum Beispiel die Inneneinrichtung, die ebenfalls schadstoffgeprüft sein muss und nicht durch das Raster fallen darf. Supermarktgebäude werden oft umgebaut, sie müssen anpassbar sein. Gerade hier zeigt sich der Vorteil einer sortenrein trennbaren, kreislauffähigen Bauweise. Der LOOP Markt ist ein Leuchtturmprojekt für zirkuläres Bauen und zeigt, dass auch im Gewerbebau mit speziellen Anforderungen an Material und Bauweise der Nachhaltigkeitsgedanke konsequent umgesetzt werden kann.
Der Holzbau-Donnerstag
Der “Holzbau-Donnerstag” bietet zwei kostenfreie Formate, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen – der „Werkvortrag“ und „Im Detail“. Der Holzbau-Donnerstag ist eine Veranstaltung von proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive BW.