26.03.2026
Baubotanik – lebende Bäume als integraler Bestandteil grüner Architektur.
Thermografische Abbildung des Central Parks: kühler Baumbestand und aufgeheizte Hochhäuser im Kontrast
Das Bauprinzip der "Living Bridges" in Indien
Tanzlinde In Effeltrich
Zeitachse: Bis eine Tanzlinde fertig ist, dauert es Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte
Montage einer Dachstruktur auf einem Baumtragwerk: Arborkitchen
Organische Knotenpunkte einer Living Bridge
Verbindungstechnik des Einwachsens
Platanenkubus in Nagold
Projekt Tree Facade
Prof. Ferdinand Ludwig, Experte für Baubotanik
Im Detail am Holzbau-Donnerstag zu organischem Bauen mit Holz.
Ostfildern, 26. März 2026: Bei der Online-Veranstaltung „Im Detail“ am 12. März stellte Prof. Ferdinand Ludwig von der Technischen Universität München Gebäude vor, die mit lebenden Bäumen als integraler Bestandteil der Architektur geplant und realisiert wurden. Neben den „Living Bridges“ in Indien gibt es auch in Deutschland schon beeindruckende Beispiele.
Prof. Ludwig ist Leiter des Lehrstuhls Green Technologies in Landscape Architecture an der TU München und Partner bei OLA – Office for Living Architecture in Stuttgart. Ausgangspunkt für Baubotanik ist in erster Linie die Hitzeentwicklung in den Städten: Durch Baumaßnahmen mit klassischen Baumaterialien und flächendeckende Bebauungspläne können sich Quartiere nicht mehr selbst temperieren – Flächenversiegelung, Fassaden und Dächer spiegeln die Hitze und verstärken sie. Todesfälle durch Hitze sind in Deutschland in den letzten 20 Jahren um über 40 % (!) gestiegen. Ludwig: „Der Blick in den Wald bietet hier zwei Lösungen – der Baum, gefällt und bearbeitet, als nachhaltiges Baumaterial, als auch mit Blick auf die Baubotanik –Growing Architecture“.
Living Bridges und Tanzlinden.
Ein historisches Beispiel sind die „Living Root Bridges“ im äußersten Nordosten Indiens, einer sehr bergigen Gegend an den Ausläufern des Himalayas mit einem Jahresniederschlag von 26 Metern. Die hohen Niederschlagsmengen erzeugen regelmäßig den Abgang von riesigen Wassermassen ins Tal – normale Holzbrücken bleiben hier nicht lange bestehen. Deshalb ist man dort schon vor Jahrhunderten auf die Idee gekommen, mit Bäumen lebende Brücken zu bauen. Die Luftwuzeln des hierfür verwendeten Gummibaums wachsen entlang eines Hilfsgerüsts in die gewünschte Richtung, werden über die Jahrzehnte immer verzweigter und kräftiger und verdichten sich zunehmend. Ein europäisches Beispiel hierfür sind die „Tanzlinden“, wie es sie auch in Deutschland gegeben hat – Prof. Ludwig stellte die Tanzlinden in Effeltrich und Peesten vor.
Der Platanenkubus in Nagold.
Prof. Ludwig erklärte die möglichen Verbindungstechniken in der Growing Architecture – das Verwachsen als Knotenpunkt und das Einwachsen von Zusatzgestellen. An der TU München wurden hierzu Versuche durchgeführt. Spannende Beispiele sind die „Arborkitchen“ oder der Platanenkubus in Nagold. Bei dem würfelförmigen Gebäude wurden Platanen in den Boden gepflanzt und auf allen Ebenen in Töpfen platziert. „Sie wurden alle zu dieser rautenförmigen Struktur verbunden“, so Ludwig. Die Platanen verwachsen seither immer stärker mit dem ursprünglichen Stahlgerüst.
Ludwig lieferte zudem spannende Einblicke in das Forschungsprojekt „Tree Facade“ (TUM/Uni Kassel), bei dem Bäume so dicht an Gebäudefassaden gepflanzt wurden, dass sie automatisch das Gesamtgebäude temperieren. Es gibt weitere Forschungsprojekte zur Baubotanik, bei denen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz das Wachstum von Bäumen berechnet wird. KI ermöglicht gerade hier neue Ansätze, um diese sehr komplexen Prozesse planbar zu machen und das Potential für die Baubotanik auszuloten.
Weiterführende Links:
TUM Professur für Green Technologies in Landscape Architecture
Abbildungen:
Green Technologies in Landscape Architecture, TU München
OLA – Office for Living Architecture
Der Holzbau-Donnerstag
Der “Holzbau-Donnerstag” bietet zwei kostenfreie Formate, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen – der „Werkvortrag“ und „Im Detail“. Der Holzbau-Donnerstag ist eine Veranstaltung von proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive BW.