Ostfildern, 17. März 2026: Bei der zweiten Veranstaltung des Online-Seminars „Holzbau – unterm Strich wirtschaftlicher“ stellten Florian Mairhofer, Leiter Holzhybridbau bei Rommel SF-Bau GmbH & Co. KG in Stuttgart, Jannis Merz von Merz Objektbau GmbH & Co. KG in Aalen, Frank Morlock von morlok.architekten + generalplaner in Königsbach-Stein sowie Roman Benz und Julia Benz von zweib Architektur GbR in Nagold realisierte Holz- und Holzbauprojekte vor – und zwar aus der Perspektive der Wirtschaftlichkeit.
Ist der Holzbau wirklich teurer als der Massivbau?
Uwe André Kohler, Geschäftsführer von proHolzBW, eröffnete die Veranstaltung, die im Rahmen der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg stattfand: „Wir wollen mit vier konkret umgesetzten Objekten unter Beweis stellen, wie der Holzbau nachhaltig, technisch überzeugend, aber auch wirtschaftlich realisiert werden kann.“ Joachim Hörrmann von proHolzBW moderierte durch die Online-Veranstaltung.
Warum wird Holzbau als „teuer“ bewertet?
Florian Mairhofer, Leiter Hybridbau bei Rommel: „Holz als Baumaterial wird an sich schon als teuer wahrgenommen, dazu können die Holzpreise schwanken, das kann für zu Verunsicherungen führen.“ Ein weiterer Faktor kann der Schallschutz sein, wenn bestimmte Anforderungen getroffen werden müssen. Weitere Kriterien können generell die eingesetzten Materialien sein oder eine nicht holzbaugerechte Planung. Das größte Potential für Kosteneinsparungen liegt in der Planung: „Holz- und Holzhybridbauplanung von Null [beginnen], nicht eine bestehende Massivplanung umplanen“, so Mairhofer. Außerdem sollten Skalierungseffekte, wo möglich, genutzt werden. Anhand verschiedener Praxisbeispiele aus dem reinen Holz- sowie dem Holzhybridbau wurde deutlich, welche Faktoren den Herstellungspreis direkt beeinflussen – und wie zum Beispiel mit Riegelbebauung ein Quadratmeterpreis von 3.000 Euro erzielt werden kann.
„Sie sind einfach einfach“
Merz Objektbau GmbH & Co. KG ist unter anderem durch das LIAS-Quartier in Aalen bekannt, das bis 2021 noch unter anderen Rahmenbedingungen – vor allem mit Blick auf die Baukosten – errichtet wurde. Um die Baukosten in den Griff zu bekommen und den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum schnell umsetzen zu können, hat Merz mit einer komplett systematisierten Herangehensweise den Holzbau planbar, und damit besser kalkulierbar gemacht: „Das Unternehmen hat sich komplett neu aufgestellt und die gewonnen Erkenntnisse umgesetzt“, so Merz, „wir arbeiten mit einem Systemraster von 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen“. So entsteht barrierefreier, nachhaltiger und förderfähiger Wohnraum mit Bewohnermix und größtmöglicher Flexibilität. „Sie sind einfach einfach“, so Merz, „aber völlig auskömmlich.“ Jannis Merz ging bei der Vorstellung der Wohnbauprojekte auch konkret auf Fördermöglichkeiten- und Richtlinien ein: “Mit einer systematisierten Herangehensweise wird sozialer und nachhaltiger Wohnungsbau möglich – mit bis zu 2/3 Förderung der Gesamtkosten.“
Holzhybridbau mit Holz aus der Region.
Frank Morlock von Morlok.architekten + generalplaner verwies gleich zu Beginn auf die Wichtigkeit der frühen Abstimmung beim Holzbau hin. Bei dem vorgestellten Mehrzweckgebäude Polyrack Tower des Bauherrn Immobilien Rapp in Straubenhardt waren Zimmerer, Architekten und Tragwerksplaner schon früh in der engen Abstimmung, was die genaue Planung und damit Kostensicherheit erleichtert und das Risiko unvorhergesehener Kosten deutlich reduziert. Im 6-geschossigen Holzhybridbau in GBK 5 wurden 2000 m3 Holz aus dem Schwarzwald verbaut. Durch Nähwärme mit Hackschnitzeln und Photovoltaik konnte der Energiestandard KFW 40 EE sogar unterschritten werden. Morlock stellte Tragewerk, Brandschutz und Schallschutz im Detail vor: „Die Geschoße wurden in zwei Nutzungseinheiten halbiert, was vorteilhaft für den Brandschutz und die Nutzung später ist“, so Morlock. Das Parkhaus des Polyrack Tower wurde aus einem Untergeschoß aus Betonmassivbau und einem Obergeschoß mit Holzbau auf Brüstungen realisiert mit einer Fassade aus Faserzement und Holzlamellen.
Reduktion auf das Wesentliche.
Roman Benz und Julia Benz von zweib Architektur GbR in Nagold stellten den Kindergarten Hasenbrunnen vor. Das Gebäude in CLT-Bauweise wurde aufgrund der Gesamtgröße in drei Baukörper unterteilt und bietet Raum für fünf Kindergartengruppen. Julia Benz: „Das Ziel war, gegenüber einem klassisch gebauten Kindergarten 30% an Baukosten einzusparen.“ Diese Einsparung ließ sich allein durch folgende Einflussfaktoren erreichen: kurze Montagezeiten und hohe Vorfertigung, einen angemessenen Gebäudestandard und verhältnismäßige technische Anforderungen, Reduktion auf das Wesentliche sowie die gute Zusammenarbeit der Gewerke in der Praxis. Flächeneinsparungen durch weniger Schichten, hohe Vorfertigung und weitere Vorteile: Bei der Wahl der Bauweise fiel „relativ schnell die Wahl auf CLT“, so Julia Benz. Das Gebäude konnte nach 9 Monaten Bauzeit übergeben werden. „Ziel war es, ein nachhaltiges Gebäude zu errichten mit angemessenem Standard, der aber in Verhältnis zu Kosten und Nutzen steht“, so Julia Benz. Und so durchdacht ist das Gesamtkonzept des Kindergartens: „Wir haben nicht blind gespart“, so Roman Benz, „[Wir haben überlegt], was ist nachhaltig, was bringt dem Gebäude über die Jahre etwas und steigert den Wert des Objekts.“
Die beim Online-Seminar vorgestellten Projekte zeigen alle, dass Bauen mit Holz wirtschaftlich sein kann und ist – wenn die Planung gut durchdacht ist, ein klares Ziel und Konzept für das fertige Gebäude existiert und alle Beteiligten früh bei der Planung involviert sind und sich in der Praxis gut und eng abstimmen. Konzentriert man sich auf das Wesentliche, lassen sich sogar – wie der Kindergarten Hasenbrunnen in Nagold eindrucksvoll belegt – Kostenvorteile gegenüber klassischem Massivbau von bis zu 30% erzielen. Vielen Dank an die Teilnehmer und Referenten für diesen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Bauen mit Holz.
Weiterführende Links:
Rommel SF-Bau GmbH & Co. KG
Merz Objektbau GmbH & Co. KG
morlok.architekten + generalplaner
zweib Architektur GbR
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