15.10.2026
„Holz kann hoch, Holz kann weit, Holz kann komplex; Holz kann aber auch einfach“
Joachim Hörrmann von proHolzBW moderierte durch den Tag
Christoph Mayer von Generalsponsor Willi Mayer verweist bei seiner Begrüßung auf das noch unausgeschöpfte Potential des Holzbaus
Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden Württemberg
Carmen Mundorff, Geschäftsführerin der Architektenkammer Baden-Württemberg stellt die ausgezeichneten Projekte des Holzbaupreises Baden-Württemberg 2026 vor
Jens Tepel von Spengler, Wischolek Architekten, Matthias Eisele von Merz Kley Partner, Sven Jörges von Züblin Timber .
48. Fachtagung Holzbau Baden-Württemberg im Hospitalhof in Stuttgart.
Ostfildern, 15. Oktober 2026: Am 07. Oktober war es wieder so weit, das Branchenevent für holzbauinteressierte Architekten, Ingenieure und Fachplaner fand zum 48. Mal statt. Das Programm der Fachtagung wurde durch proHolz Baden-Württemberg und die Hochschule Biberach organisiert: hochkarätige Referenten stellten aktuelle Innovationen und beeindruckende Objekte aus dem Holzbau vor. Begleitet wurde die Fachtagung Holzbau auch in diesem Jahr von einer Fachmesse mit über 30 Ausstellern.
Auf der Fachtagung wurde deutlich: Holzbau ist eine der wichtigsten Antworten auf die großen Fragen der Gegenwart. Markus Nöth, Geschäftsführer von proHolzBW, begrüßte die Teilnehmer mit einem Rückblick auf den Extremsommer 2026: „Wir stehen vor tiefgreifenden Transformationsprozessen: Klimawandel, Ressourcenknappheit, Flächenkonsum und Wohnungsnot fordern heraus, wie wir Leben, Planen und Bauen.“ Generalsponsor Christoph Maier von Willi Mayer Holzbau beleuchtete nicht nur die aktuellen Möglichkeiten des Holzbaus, sondern auch das Potential für das Bauen der Zukunft: „Der Holzbau ist aktuell sicher noch nicht an seiner Grenze“.
Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg verwies in ihrer Begrüßung auf die Nachhaltigkeit von Holz und das große technische Potential des natürlichen Baumaterials: „Die Verbindung von Rohstoff, Knowhow und Wertschöpfung ist die Stärke von Baden-Württemberg“, so Shopper. „Welche anspruchsvolle Konstruktionen wir heute mit Holz bauen können, dafür haben wir den Beweis schon längst erbracht – Holz kann hoch, Holz kann weit, Holz kann komplex; Holz kann aber auch einfach“, so Schopper.
Hochleistungsmaterialien: Lehm und Laubholz
Die Beiträge am Vormittag zeigten auf, dass Holz in Verbindung mit anderen natürlichen Rohstoffen noch viel mehr kann, so auch im Lehm-Holz-Verbund. Konstantin Nille-Hauf und Jessica Ernst von der Hochschule Biberach stellten eine innovative Lehm-Holz-Verbunddeckenkonstruktion mit tragender Funktion vor. Nille-Hauf: „Auch Holz-Beton-Verbunddecken senken Kohlendioxidemissionen beim Bauen nicht ausreichend.“ Durch den Einsatz von Lehm kann nicht nur der CO2-Fußabdruck deutlich gesenkt werden. Ernst: „Lehm ist regional verfügbar, nachhaltig und kreislauffähig“ und ermöglicht in verdichteter Form größere Spannweiten.
Ein effizientes und kostengünstiges Tragwerkskonzept aus Laubholz könnte ein neuer Meilenstein für Nachverdichtung und Wohnraumschaffung sein. Jochen Stahl und Christian Rosenkranz der Firma Fast & Epp stellten das Projekt LaubÖkoLet vor. Rosenkranz: „Durch den hohen Vorfertigungsgrad und die Zirkularität bietet der Skelettbau aus Laubholz mehr Flexibilität für die freie Setzung von tragenden Wänden“. Lange: „Leistungsstarke und schlanke Knotenpunkte aus Holz ermöglichen umnutzbare Grundrisse.“ Das Ergebnis – Bestand wie zum Beispiel Supermarktparkplätze können wirtschaftlich und nachhaltig zu gemischten Wohn- und Büroeinheiten nachverdichtet werden.
Vom 1. Lebensjahr bis zu den Seniorenprogrammen
Das Projekt Bildungshaus NeckarPark zeigt, wie Holzbau durch seine flexiblen Eigenschaften die später geplante Nutzung bestmöglich unterstützen kann. Martin Ritz von Glück und Partner Architekten in Stuttgart stellte das komplexe architektonische Konzept des Wohn-, Gewerbe- und Veranstaltungsareals auf 25 Hektar mit rund 850 Wohnungen, einem Sportbad und mehr dar. Eine Besonderheit ist die enge Verzahnung von Architektur und Lernkonzept – von der frühkindlichen Erziehung für Kinder bis zu den Seniorenprogrammen der Volkshochschule Stuttgart. Ritz: „Die Ringanordnung des Bildungshauses verbindet die unterschiedlichen Nutzungen ideal.“ Michael Geiger von Furche Geiger Meyer Trangwerksplaner GmbH aus Wendlingen erläuterte das Tragwerkskonzept des komplexen Gebäudes. Daniel Schaible von Holzbau Schaible in Wildberg erläuterte Details zum Arbeitsablauf: „Ein Erfolgsfaktor war die flexible Zusammenarbeit zwischen Rohbau- und Holzbaukolonne.“ Die Teams von Holz- und Rohbau unterstützten sich gegenseitig und sprangen bei Engpässen ein. Durch diese Maßnahmen konnte der Bauablauf optimiert und planmäßig im Januar 2024 fertiggestellt werden.
Räume ohne vorgeschriebene Biographie
Nach der Mittagspause und den Speakers`Corners ging es um zeitgemäße Wohnformen und flächenreduziertes Bauen: Oliver Hilt von der architekturagentur in Stuttgart stellte die Frage „Wie können wir bauen, damit Menschen in jeder Lebenssituation wirtschaftlich leben können und Wohnraum flexibel auf die Bedürfnisse angepasst werden kann?“ Die Lösung sehen Hilt und sein Team in der Entwicklung von flexiblen Rastern und Achsen für anpassungsfähige Raumkonzepte: „Räume ohne vorgeschriebene Biografie“, sinnvoll gestaltet und mit maximal reduziertem Konstruktionsflächenanteil. Solche Konzepte können nur durch eine genaue Bedarfsermittlung und die Einbeziehung aller Parteien entstehen.
Welchen Einfluss hat das Tragwerk auf die Ökobilanzierung eines Holzbaus und damit auch auf dessen Suffizienz und Kreislauffähigkeit? Jana Nowak vom Institut für Tragkonstruktion und konstruktives Entwerfen an der Universität Stuttgart: „Das Tragwerk ist je nach Bauweise und Gebäudetypologie für 50-70% der grauen Emissionen verantwortlich.“ Am Beispiel des Anbaus der Frauenklinik in Tübingen wurde in einem Pilotprojekt eine Ökobilanzierung durchgeführt, um den Einfluss tragwerksplanerischer Entscheidungen auf die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit von Bauweisen und Konstruktionen zu bestimmen. Nowak: „Ökologische Nachhaltigkeit entsteht aus dem Zusammenspiel der Emissionsreduktion einzelner Baustoffe, ressourceneffizienter Konstruktionen, robuster Tragwerkskonzepte und einem konsequenten Denken über den gesamten Lebenszyklus hinaus.“ Geeignete Steuerungselemente, wie CO2-Schattenpreise oder Treibhausgasgrenzwerte gibt es in Deutschland derzeit noch nicht.
„Ein Statement bauen“
Die UmweltBank AG, die selbst nur nachhaltige Projekte finanziert, setzt mit ihrem neuen Hauptsitz in Nürnberg ein Statement der Nachhaltigkeit. Jens Tepel von Spengler Wiescholek Architektur, Matthias Eisele von Merz Kley Partner Tragwerksplanung und Sven Jörges von Züblin Timber stellten das ganzheitliche Gebäudekonzept in zirkulärer Bauweise vor. Der Gebäudekomplex in Holzhybridbauweise mit einem 13-geschossigen Hochhaus ist in ein gemischt-genutztes Quartier integriert und beinhaltet Büroflächen sowie Veranstaltungs- und Konferenzräume auf insgesamt 16.000 m2. Jens Tepel: „[Man wollte] ein Statement bauen und damit die Philosophie der Bank leben.“ Und diese Idee ist in hohem Maße Realität geworden: Die gesamte Gebäudefassade ist mit Photovoltaik belegt, das Gebäudekonzept ist pragmatisch und auf Suffizienz ausgelegt, mit großen Fenstern, die Tageslicht ins Gebäude lassen und beweglichem Witterungsschutz. Schon vor Fertigstellung erhielt das Projekt den DGNB-Standard „Platin“. In den unteren Geschossen kam BauBuche für das Tragwerk zum Einsatz, in den oberen Fichten-Brettschichtholz: „Durch die Kombination aus Holzskelettbau, Holz-Beton-Verbunddecken und massiven Erschließungskernen entstand ein Tragwerk, das hohe Anforderungen an Tragfähigkeit, Brandschutz und Nachhaltigkeit erfüllt“, so Eisele. Sven Jörges verwies auf die gute Zusammenarbeit aller Gewerke: „Die verantwortlichen Planer konnten viel Fachwissen im Holzbau vorweisen und die Zusammenarbeit mit Architekten und Tragwerksplaner war sehr gut.“ So konnte das komplexe Projekt erfolgreich realisiert werden und einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen und zur Weiterentwicklung des mehrgeschossigen Holzbaus in Deutschland leisten.
„Sinn und Sinnlichkeit“
Sven Matt von Innauer Matt Architekten in Bezau stellte in seiner Keynote Holzbau nicht nur aus Perspektive der Nachhaltigkeit und der technischen Optimierung vor, sondern legte ein besonderes Augenmerk auf die Ästhetik und Natürlichkeit. Denn während im Holzbau modern, digital und automatisiert gefertigt wird, gibt es auf der anderen Seite immer noch das traditionelle Handwerk. „Hier eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten der Gestaltung“, so Matt. Erstes Beispiel war der Kunstraum Kassel mit besonderen Fassadenelementen, die mit Glaskugeln verziert sind. Matt: „Dauerhaftigkeit und lange Gültigkeit, das ist Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne und darin liegt die Stärke von Holz – es vereint Sinn und Sinnlichkeit.“ Demonstriert wird dies von Gebäuden wie dem Lernhaus oder dem Museum in Bezau, die mit leichter Hand modernisiert und umgebaut wurden und in denen sich alte Strukturen, unaufdringliche, aber liebevoll gestaltete Fassadenästhetik und neue Nutzung gegenseitig ergänzen. Matt: „Die ästhetischen und weichen Qualitäten des Holzes gehen bei reinem Fokus auf die Wirtschaftlichkeit und reinem Nutzen unter. Auch ein Tragwerk oder eine Fassade kann sowohl funktional sein als auch ästhetische Qualitäten besitzen.“Ostfildern, 15. Oktober 2026: Am 07. Oktober war es wieder so weit, das Branchenevent für holzbauinteressierte Architekten, Ingenieure und Fachplaner fand zum 48. Mal statt. Das Programm der Fachtagung wurde durch proHolz Baden-Württemberg und die Hochschule Biberach organisiert: hochkarätige Referenten stellten aktuelle Innovationen und beeindruckende Objekte aus dem Holzbau vor. Begleitet wurde die Fachtagung Holzbau auch in diesem Jahr von einer Fachmesse mit über 30 Ausstellern.
Auf der Fachtagung wurde deutlich: Holzbau ist eine der wichtigsten Antworten auf die großen Fragen der Gegenwart. Markus Nöth, Geschäftsführer von proHolzBW, begrüßte die Teilnehmer mit einem Rückblick auf den Extremsommer 2026: „Wir stehen vor tiefgreifenden Transformationsprozessen: Klimawandel, Ressourcenknappheit, Flächenkonsum und Wohnungsnot fordern heraus, wie wir Leben, Planen und Bauen.“ Generalsponsor Christoph Maier von Willi Mayer Holzbau beleuchtete nicht nur die aktuellen Möglichkeiten des Holzbaus, sondern auch das Potential für das Bauen der Zukunft: „Der Holzbau ist aktuell sicher noch nicht an seiner Grenze“.
Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg verwies in ihrer Begrüßung auf die Nachhaltigkeit von Holz und das große technische Potential des natürlichen Baumaterials: „Die Verbindung von Rohstoff, Knowhow und Wertschöpfung ist die Stärke von Baden-Württemberg“, so Shopper. „Welche anspruchsvolle Konstruktionen wir heute mit Holz bauen können, dafür haben wir den Beweis schon längst erbracht – Holz kann hoch, Holz kann weit, Holz kann komplex; Holz kann aber auch einfach“, so Schopper.
Hochleistungsmaterialien: Lehm und Laubholz
Die Beiträge am Vormittag zeigten auf, dass Holz in Verbindung mit anderen natürlichen Rohstoffen noch viel mehr kann, so auch im Lehm-Holz-Verbund. Konstantin Nille-Hauf und Jessica Ernst von der Hochschule Biberach stellten eine innovative Lehm-Holz-Verbunddeckenkonstruktion mit tragender Funktion vor. Nille-Hauf: „Auch Holz-Beton-Verbunddecken senken Kohlendioxidemissionen beim Bauen nicht ausreichend.“ Durch den Einsatz von Lehm kann nicht nur der CO2-Fußabdruck deutlich gesenkt werden. Ernst: „Lehm ist regional verfügbar, nachhaltig und kreislauffähig“ und ermöglicht in verdichteter Form größere Spannweiten.
Ein effizientes und kostengünstiges Tragwerkskonzept aus Laubholz könnte ein neuer Meilenstein für Nachverdichtung und Wohnraumschaffung sein. Jochen Stahl und Christian Rosenkranz der Firma Fast & Epp stellten das Projekt LaubÖkoLet vor. Rosenkranz: „Durch den hohen Vorfertigungsgrad und die Zirkularität bietet der Skelettbau aus Laubholz mehr Flexibilität für die freie Setzung von tragenden Wänden“. Lange: „Leistungsstarke und schlanke Knotenpunkte aus Holz ermöglichen umnutzbare Grundrisse.“ Das Ergebnis – Bestand wie zum Beispiel Supermarktparkplätze können wirtschaftlich und nachhaltig zu gemischten Wohn- und Büroeinheiten nachverdichtet werden.
Vom 1. Lebensjahr bis zu den Seniorenprogrammen
Das Projekt Bildungshaus NeckarPark zeigt, wie Holzbau durch seine flexiblen Eigenschaften die später geplante Nutzung bestmöglich unterstützen kann. Martin Ritz von Glück und Partner Architekten in Stuttgart stellte das komplexe architektonische Konzept des Wohn-, Gewerbe- und Veranstaltungsareals auf 25 Hektar mit rund 850 Wohnungen, einem Sportbad und mehr dar. Eine Besonderheit ist die enge Verzahnung von Architektur und Lernkonzept – von der frühkindlichen Erziehung für Kinder bis zu den Seniorenprogrammen der Volkshochschule Stuttgart. Ritz: „Die Ringanordnung des Bildungshauses verbindet die unterschiedlichen Nutzungen ideal.“ Michael Geiger von Furche Geiger Meyer Trangwerksplaner GmbH aus Wendlingen erläuterte das Tragwerkskonzept des komplexen Gebäudes. Daniel Schaible von Holzbau Schaible in Wildberg erläuterte Details zum Arbeitsablauf: „Ein Erfolgsfaktor war die flexible Zusammenarbeit zwischen Rohbau- und Holzbaukolonne.“ Die Teams von Holz- und Rohbau unterstützten sich gegenseitig und sprangen bei Engpässen ein. Durch diese Maßnahmen konnte der Bauablauf optimiert und planmäßig im Januar 2024 fertiggestellt werden.
Räume ohne vorgeschriebene Biographie
Nach dem Mittagessen und den Speakers`Corners ging es um zeitgemäße Wohnformen und flächenreduziertes Bauen: Oliver Hilt von der architekturagentur in Stuttgart stellte die Frage „Wie können wir bauen, damit Menschen in jeder Lebenssituation wirtschaftlich leben können und Wohnraum flexibel auf die Bedürfnisse angepasst werden kann?“ Die Lösung sehen Hilt und sein Team in der Entwicklung von flexiblen Rastern und Achsen für anpassungsfähige Raumkonzepte: „Räume ohne vorgeschriebene Biografie“, sinnvoll gestaltet und mit maximal reduziertem Konstruktionsflächenanteil. Solche Konzepte können nur durch eine genaue Bedarfsermittlung und die Einbeziehung aller Parteien entstehen.
Welchen Einfluss hat das Tragwerk auf die Ökobilanzierung eines Holzbaus und damit auch auf dessen Suffizienz und Kreislauffähigkeit? Jana Nowak vom Institut für Tragkonstruktion und konstruktives Entwerfen an der Universität Stuttgart: „Das Tragwerk ist je nach Bauweise und Gebäudetypologie für 50-70% der grauen Emissionen verantwortlich.“ Am Beispiel des Anbaus der Frauenklinik in Tübingen wurde in einem Pilotprojekt eine Ökobilanzierung durchgeführt, um den Einfluss tragwerksplanerischer Entscheidungen auf die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit von Bauweisen und Konstruktionen zu bestimmen. Nowak: „Ökologische Nachhaltigkeit entsteht aus dem Zusammenspiel der Emissionsreduktion einzelner Baustoffe, ressourceneffizienter Konstruktionen, robuster Tragwerkskonzepte und einem konsequenten Denken über den gesamten Lebenszyklus hinaus.“ Geeignete Steuerungselemente, wie CO2-Schattenpreise oder Treibhausgasgrenzwerte gibt es in Deutschland derzeit noch nicht.
„Ein Statement bauen“
Die UmweltBank AG, die selbst nur nachhaltige Projekte finanziert, setzt mit ihrem neuen Hauptsitz in Nürnberg ein Statement der Nachhaltigkeit. Jens Tepel von Spengler Wiescholek Architektur, Matthias Eisele von Merz Kley Partner Tragwerksplanung und Sven Jörges von Züblin Timber stellten das ganzheitliche Gebäudekonzept in zirkulärer Bauweise vor. Der Gebäudekomplex in Holzhybridbauweise mit einem 13-geschossigen Hochhaus ist in ein gemischt-genutztes Quartier integriert und beinhaltet Büroflächen sowie Veranstaltungs- und Konferenzräume auf insgesamt 16.000 m2. Jens Tepel: „[Man wollte] ein Statement bauen und damit die Philosophie der Bank leben.“ Und diese Idee ist in hohem Maße Realität geworden: Die gesamte Gebäudefassade ist mit Photovoltaik belegt, das Gebäudekonzept ist pragmatisch und auf Suffizienz ausgelegt, mit großen Fenstern, die Tageslicht ins Gebäude lassen und beweglichem Witterungsschutz. Schon vor Fertigstellung erhielt das Projekt den DGNB-Standard „Platin“. In den unteren Geschossen kam BauBuche für das Tragwerk zum Einsatz, in den oberen Fichten-Brettschichtholz: „Durch die Kombination aus Holzskelettbau, Holz-Beton-Verbunddecken und massiven Erschließungskernen entstand ein Tragwerk, das hohe Anforderungen an Tragfähigkeit, Brandschutz und Nachhaltigkeit erfüllt“, so Eisele. Sven Jörges verwies auf die gute Zusammenarbeit aller Gewerke: „Die verantwortlichen Planer konnten viel Fachwissen im Holzbau vorweisen und die Zusammenarbeit mit Architekten und Tragwerksplaner war sehr gut.“ So konnte das komplexe Projekt erfolgreich realisiert werden und einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen und zur Weiterentwicklung des mehrgeschossigen Holzbaus in Deutschland leisten.
Im Anschluss stellte Carmen Mundorff, Geschäftsführerin der Architektenkammer Baden-Württemberg, die in diesem Jahr mit dem Holzbaupreis Baden-Württemberg ausgezeichneten und anerkannten Holzbau-Projekte vor. Mundorff, die selbst Mitglied der Jury war, lobte die Preisträger für die herausragenden Gebäudekonzepte und zukunftsweisenden Innovationen. Der Holzbau-Preis Baden-Württemberg wurde offiziell Anfang Mai auf dem 5. Fachkongress am Bodensee verliehen.
„Sinn und Sinnlichkeit“
Sven Matt von Innauer Matt Architekten in Bezau stellte in seiner Keynote Holzbau nicht nur aus Perspektive der Nachhaltigkeit und der technischen Optimierung vor, sondern legte ein besonderes Augenmerk auf die Ästhetik und Natürlichkeit. Denn während im Holzbau modern, digital und automatisiert gefertigt wird, gibt es auf der anderen Seite immer noch das traditionelle Handwerk. „Hier eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten der Gestaltung“, so Matt. Erstes Beispiel war der Kunstraum Kassel mit besonderen Fassadenelementen, die mit Glaskugeln verziert sind. Matt: „Dauerhaftigkeit und lange Gültigkeit, das ist Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne und darin liegt die Stärke von Holz – es vereint Sinn und Sinnlichkeit.“ Demonstriert wird dies von Gebäuden wie dem Lernhaus oder dem Museum in Bezau, die mit leichter Hand modernisiert und umgebaut wurden und in denen sich alte Strukturen, unaufdringliche, aber liebevoll gestaltete Fassadenästhetik und neue Nutzung gegenseitig ergänzen. Matt: „Die ästhetischen und weichen Qualitäten des Holzes gehen bei reinem Fokus auf die Wirtschaftlichkeit und reinem Nutzen unter. Auch ein Tragwerk oder eine Fassade kann sowohl funktional sein als auch ästhetische Qualitäten besitzen.“
Fotos: proHolzBW