An der Westseite des Naturschutzgebiets „Alter Flugplatz“ in der Karlsruher Nordweststadt befindet sich ein 2-geschossiges Telekom-Betriebsgebäude, welches am Rand einer Siedlung liegt, die von 6-geschossigen Zeilenbauten, Punkthochhäusern und viel Parkfläche geprägt ist. In diesem Kontext erscheint das Gebäude prädestiniert, für die Schaffung neuen Wohnraums im Rahmen einer Nachverdichtung ohne weitere Flächenver-siegelung auf die Höhe der angrenzenden Bebauung aufgestockt zu werden. So erwächst aus dem dichten Baumbestand entlang des Flugfelds das Wohnbauprojekt „NORDGRÜN“; mit der Zielsetzung, nachhaltiges, bezahlbares und gut erreichbares Wohnen im städtischen Kontext zu ermöglichen und dabei dennoch in alle Richtungen von Natur umgeben zu sein.
Um aus statischen Gründen vom Bestand unabhängig zu sein, wurde hierfür zunächst ein „Tisch“ als Stahlkonstruktion aus Stützen und raumhohen Fachwerkträgern erstellt, gegründet durch Bohrpfähle und ausgesteift über zwei Erschliesungstürme aus einfachem Sichtbeton. Die eigentliche Aufstockung, welche „auf dem Tisch“ lagert, ist ein Massivholzbau mit Wänden und Decken aus Brettsperrholz und einer vorgehängten Fassade aus Trapezblech. Blech, Holzfenster und die auf das Trapez abgestimmten Staketengeländer sind monochrom in grün gehalten. Zusammen gliedern sie das Gebäude und verleihen ihm eine feingliedrige Haptik und eine einladende Anmutung.
Erschlossen werden die Wohnungen über Laubengänge zwischen den Türmen auf der Nordseite. Um eine etwaige spätere Sanierung und Umnutzung des bestehenden Betriebsgebäudes zu ermöglichen, orientiert sich auch die Aufstockung an dessen Raster und gibt so die Grundeinteilung vor. Trotz des schmalen Rasters mit nur 5 m Achsmaß sind die 13 m tiefen Wohnungen durchgehend gut belichtet und bieten ein hohes Maß an Nutzungsflexibilität. Sie binden über die komplette Gebäudetiefe durch und haben an der Südseite eine Loggia, respektive im Staffelgeschoss eine Dachterrasse, welche eine Aussicht über das Flugfeld bis zum Schwarzwald bieten.
Im Innenraum sind die Einheiten schlicht, aber wertig vorgerichtet. Geöltes Eichenparkett, hochwertige Holz-Innentüren sowie robuste Fliesen und Keramik in den Bädern bilden eine ansprechende Grundlage für die Mieter. Die Holzdecken und -trennwände sind aus Brand- und Schallschutzgründen entkoppelt verkleidet. Das KFW40 EE-Haus wird auf dem Gründach mit einer PV-Anlage für Mieterstromerzeugung ausgestattet; die Heizung wird mit Fernwärme betrieben. Sämtliche Bekleidungen sowie die kostengünstige, aber stabile und wartungsarme Blechfassade sind bei Bedarf bis auf den Rohbau rückbaubar.
Die Aufwertung des Gesamt-Ensembles wird durch die Sanierung und Aufstockung des zweigeschossigen Vorderhauses an der Straße komplettiert. Hierbei handelt es sich um eine „klassische“ Aufstockung in Holzbauweise – in dem Sinne, dass die Lasten der beiden weiteren Geschosse vollständig über die Bestandswände abgetragen werden. Das Gebäude erhält eine einheitliche Hülle aus grobem mineralischen Putz und ergänzt so das Gesamtensemble auch farblich. Im EG befindet sich hier eine kleine KiTa, die 3 Obergeschosse bieten Platz für 5 weitere Wohnungen, darunter 4 neue.
Das 1. OG und Teile des UGs des Hauptgebäudes werden nach wie vor von der Telekom genutzt. Im Erdgeschoss des Bestands ist inzwischen ein Kulturverein mit verschiedenen Studio-, Atelier- sowie dringend benötigten Proberäumen für junge Kulturschaffende angesiedelt.








