15.08.2022
Stuttgart 210: Weiterdenken – weiterbauen!
Ein Baukasten mit Modellen entsteht. Foto: proHolzBW
Hallentragwerk aus Schalungselementen der Randbereiche. Foto: proHolzBW
Forschungsprojekt untersucht Möglichkeiten zur Weiterverwendung der Schalungselemente des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs.
In keinem anderen Wirtschaftsbereich werden ähnlich große Stoffströme umgesetzt wie im Bauwesen. Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft ist daher hier besonders relevant. Das Projekt Stuttgart 210 untersucht vor diesem Hintergrund die Verwendung von Bauhilfsmitteln als Primärkonstruktion für neue Gebäude am Beispiel der Schalungselemente des Stuttgarter Hauptbahnhofs (Stuttgart 21) aus blockverleimten Brettsperrholz. Statt thermischer Verwertung wird der stoffliche Erhalt der Ressource Holz und die Wertsteigerung der Elemente im Sinne des Upcycling erforscht. Dazu wurden unterschiedliche Architektur- und Tragwerksentwürfe auf Grundlage einer umfassenden Analyse der Schalungselemente erarbeitet und verglichen. Durch die Vorbereitung und Durchführung von vier Reallaboren setzt sich das Projekt den Anforderungen des realen Bauens aus. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen sich wiederum übertragen und in einer Planungshilfe verallgemeinern. Ein prototypisches Gebäude aus zwölf Schalungselementen wurde bereits errichtet und in Betrieb genommen. Für drei weitere Reallabore sind die Elemente übergeben und eingelagert. Das Verwenden komplexer, vorgegebener Bauteile erfordert es, den Entwurfsprozess in der Architektur neu zu denken und zu strukturieren. Üblicher Weise steht die Funktion des Gebäudes am Ausgangspunkt der Entwurfsüberlegungen, zu einem späteren Zeitpunkt folgt eine möglichst entwurfsgerechte Materialisierung. Bei der Verwendung der Schalungselemente dreht sich dieser Prozess um: Die Re-Use-Komponenten als Primärtragwerk prägen von Anfang die Möglichkeiten des Gebäudeentwurfs.
„Die Wiederverwendung von Bauteilen bietet die Chance, ressourcenschonend, klimafreundlich und zugleich ökonomisch sinnvoll zu bauen.“, so der Geschäftsführer der proHolzBW, Dr.-Ing. Dennis Röver.
„Wir müssen beim konventionellen Bauen rasch umdenken, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen. Das Forschungsprojekt ‚Stuttgart 210: Weiterdenken – weiterbauen!‘ leistet dazu einen wichtigen Beitrag, weil es für eine klimagerechte und ressourcenschonende Architektur sowie das Bauen mit Holz sensibilisiert“, so Minister Peter Hauk MdL vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.
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Webseite des Forschungsprojektes
Das Projekt auf der Homepage der Holzbau-Offensive Baden-Württemberg
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Das Reallabor „Jugendtreff Ingersheim“ wurde 2024 im Rahmen eines internationalen Workshops des Masterstudiengangs Innenarchitektur erstellt. Es folgten Veröffentlichungen in Presse und Fachpublikationen und die Nominierung für den DAM-Preis 2026. Bei der Auswahl für „Engere Wahl – Deutscher Holzbaupreis 2025“ zählt es zu den besten 20 aus mehr als 200 Projekteinreichungen. Im Oktober 2025 wurde das Projekt mit der Silbermedaille des „International Prize for Sustainable Architecture“ ausgezeichnet.
Silbermedaille des „International Prize for Sustainable Architecture“
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Projektdurchführung: HTWG Konstanz
Kooperationspartner HFT Stuttgart
Kooperationspartner HKA Karlsruhe
Kooperationspartner proHolz Baden-Württemberg
Praxispartner Züblin Timber und Ed Züblin AG



Über proHolzBW
Die proHolzBW GmbH setzt sich für eine stärkere Verwendung des Roh- und Werkstoffes Holz in Baden-Württemberg ein. Holz kann als nachwachsender Rohstoff und CO2-Speicher einen entscheidenden Beitrag leisten, um die Klimaschutzziele von Bund, Ländern und Gemeinden zu erreichen. Außerdem stärkt proHolzBW als Drehscheibe der Netzwerke Forst und Holz die Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette und intensiviert die Kommunikation in die Gesellschaft. Kernaufgaben sind die Vernetzung von Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Architekten, Ingenieuren und Kommunen.
Über HTGW Konstanz
Die HTWG – Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung ist eine moderne Hochschule mit einem anwendungsorientierten Profil. Sie verfügt über ein breites Fächerspektrum und profitiert von der Interdisziplinarität sowie der Verbindung von Theorie und Praxis. Die Hochschule ist in Forschung und Entwicklung, Technologietransfer und Weiterbildung Partner für innovationsorientierte Unternehmen und leistungsbereite, kreative Menschen. Sie ist ein wesentlicher Teil der internationalen Wissenschafts- und Wirtschaftsregion Bodensee.
Über HFT Stuttgart
Seit über 185 Jahren bildet die Hochschule für Technik Stuttgart Studentinnen und Studenten aus, und aus der ursprünglichen Baugewerkeschule ist längst eine moderne Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) geworden. In drei Fakultäten werden 35 Bachelor- und Master-Studiengänge angeboten. Fakultätsübergreifende Projekte und Kontakte zu zahlreichen Unternehmen in Stuttgart und der Region als attraktiver Wirtschaftsstandort zeichnen die Hochschule aus. Studienbereiche sind Architektur, Bauingenieurwesen, Bauphysik, Informatik, Innenarchitektur, Mathematik, Vermessung und Wirtschaft.
Über HKA Karlsruhe
Mit praxisnaher und anwendungsreifer Forschung und Entwicklung tragen wir als Hochschule zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft bei. Um dieses übergeordnete Ziel zu ermöglichen und zu unterstützen, adressieren wir insbesondere die hierfür essentiellen Bedarfe Ressourcen, Arbeit, Mobilität und Information im Rahmen unserer spezifischen Forschungsgebiete.
Über die Holzbau-Offensive BW
Die Holzbau-Offensive BW wurde im Herbst 2018 ins Leben gerufen und ist eine Arbeitsgemeinschaft von acht Ministerien zur Förderung des Bauens mit Holz. Ziel ist es, durch wirkungsvolle Maßnahmen und zielgerichtete Impulse eine klimagerechte Transformation des Bausektors zu unterstützen und den nachwachsenden Baustoff Holz weiter in die Breite zu bringen. Entscheidend ist dabei die Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette vom nachwachsenden Rohstoff Holz, beginnend bei der Waldbewirtschaftung über das Produkt, bis hin zur Wiederverwendung im Kreislauf sowie der Entwicklung von end-of-life Szenarien. Weitere Infos unter: https://www.holzbauoffensivebw.de
Über ZÜBLIN Timber GmbH und Ed.Züblin AG
ZÜBLIN ist seit mehr als 120 Jahren im Geschäft. Wir verstehen viel vom Bauen. Gerade deshalb treibt uns die Frage um: Was müssen wir in Zukunft können, um Bauwerke optimal zu errichten? Ob Digitalisierung oder neue ökologische und gesellschaftliche Anforderungen: im Kompetenzverbund mit STRABAG nehmen wir Bauaufgaben als Ganzes in den Blick. ZÜBLIN setzt auf partnerschaftliches Bauen mit teamconcept und Digitalisierung mit BIM 5D® – und treibt damit die Entwicklung neuer Standards für die Zukunft des Bauens maßgeblich voran.
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