13.05.2026
Vom Material zum Mehrwert: Kreislaufwirtschaft im Holzbau.
Circl, Amsterdam. Foto DERIX Group
So funktioniert die Plattform Madaster. Abb. Isabelle Armani
Isabelle Armani, Madaster Germany, Head of Infrastructure and Manufacturer
Im Detail am Holzbau-Donnerstag stellte das Madaster Germany vor – die Plattform für kreislauffähiges Bauen.
Ostfildern, 13. Mai 2026: Isabelle Armani, Head of Infrastructure and Manufacturer bei Madaster Germany berichtete beim Holzbau-Donnerstag von proHolzBW über die Plattform für kreislauffähiges Bauen, das „Madaster“. Gerade beim Bauen mit dem nachhaltigen Material Holz wird häufig die Kreislaufwirtschaft mit angedacht. Im Online-Seminar erfuhren die Teilnehmer, wie gut die Plattform Madaster das kreislauffähige Bauen mit Holz unterstützen kann.
„Der natürliche Kreislauf kennt keine Abfälle“
Zu Beginn erhielten die Teilnehmer einen Einblick – was genau ist Kreislaufwirtschaft, wovon grenzt sie sich ab? Die Bauwirtschaft ist weltweit verantwortlich für 35 % der Abfälle und 37 % der energiebezogenen Emissionen (Graue Energie und betriebsbedingte Energie), außerdem für 50 % des globalen Ressourcenverbrauchs. „Egal, was wir tun oder wie wir wirtschaften, wir agieren immer im geschlossenen System [Erde]“, so Armani. So, wie es in der Natur keine „Abfälle“ gibt und alles umgewandelt wird, so wird im zirkulären Bauen versucht, Abfälle zu vermeiden – „Abfälle sind im zirkulären Bauen ein Design-Fehler“, so Armani. Hier ist ein generelles Umdenken notwendig, denn die Kreislauffähigkeit eines Produkts muss schon beim Design mitgedacht werden.
Armani stellte in diesem Zusammenhang die „R-Strategien“ vor – von Refuse (Bauen im Bestand statt Neubau) und Reuse (Materialien wiederverwenden) bis hin zu Recycle und Recover. (Baustoffe werden verbrannt für die Energiegewinnung). Die Voraussetzung für die Durchführung von R-Strategien ist eine umfassende Materialkenntnis und -Erfassung. Hier kommt das Madaster ins Spiel – es ermöglicht die maximale Kaskadennutzung von Holz in einem potenziell unendlichen Kreislauf.
Das Madaster = Material und Kataster.
„Das Madaster ermöglicht die öffentliche Sichtbarkeit und Bewertung von verfügbaren Sekundärresourcen“, so Armani „Es verbindet Informationen von Portfolios, Gebäuden und Produkten“. Je besser und umfangreicher die Informationen, desto besser die Auswertungsmechanismen. So lassen sich Stoffströme und „Urban Mining“ genau beziffern und auswerten. Denn: „Wir wissen im Moment einfach nicht, wo welche Materialien verbaut sind“, so erklärt Armani den aktuellen Stand. Das Madaster erstellt einen „Gebäuderessourcenpass“, der Materialien eine Identität gibt und so den sinnvollen Einsatz und die Zuordnung für Neubauten ermöglicht. Damit lässt sich auch die Ökobilanz eines Gebäudes von der Herstellung bis zur Entsorgung genau nachvollziehen.
Anwendung in der Praxis.
Anwendung findet die Datenbank Madaster in Flagship-Projekten wie dem Circl in Amsterdam, das 2017 errichtet wurde und 2024 zurückgebaut werden musste. Hier entsteht häufig die Frage nach der CO2-Speicherfunktion: ist Holz ein guter Speicher, wenn das Gebäude zurückgebaut wird? DERIX entschied sich, die hochwertigen Holzbauteile, die alle ursprünglich verschraubt waren und nicht geklebt, zurückzunehmen, damit sie nicht der thermischen Verwertung zugeführt werden. Damit verbleibt auch das im Holz gespeicherte Kohlenstoffdioxid langfristig im Holz, wenn die Bauelemente in einem neuen Projekt wieder eingebaut werden. Bei der DERIX-Gruppe ist die Rücknahme von gebrauchten Bauteilen daher Standard. So wird auch der Neubau des DERIX Campus dieses Jahr komplett über das Madaster abgebildet.
Isabelle Armani erläuterte anhand des DERIX Campus die Funktionsweise des Madaster, aber auch Schwachstellen: Oft liegen nicht die benötigten, spezifischen Produktinformationen vor, oder die Kreislauffähigkeit kann aufgrund fehlenden Inputs nicht komplett abgebildet werden. Auch kann in der Datenbank ein Spannungsfeld zwischen Messkriterien entstehen – lege ich Wert auf die Zirkularität, muss ich vielleicht auf andere Kriterien fokussieren als die der Ökobilanz, denn dann würde die thermische Verwertung nicht mehr punkten. Diese Diskrepanzen gilt es im System noch auszuloten. Daneben wird im Madaster auch eine Umweltanalyse durchgeführt, und ein Rohstoffrestwert erstellt. Allerdings hat Holz oder haben Holzbauelemente Stand heute noch keinen nennenswerten finanziellen Restwert, da in den Datenbanken die thermische Verwertung vorherrscht.
Weiterführende Links:
MADASTER GERMANY
Der Holzbau-Donnerstag
Der “Holzbau-Donnerstag” bietet zwei kostenfreie Formate, um Sie mit auf die Reise in den modernen Holzbau und die gebaute Zukunft zu nehmen – der „Werkvortrag“ und „Im Detail“. Der Holzbau-Donnerstag ist eine Veranstaltung von proHolzBW im Auftrag der Holzbau-Offensive BW.