17.02.2026 Markus Nöth

"Zukünftig hybrider Bauen ist grundsätzlich clever".

(v.l.n.r.) Thomas Möller (Bauwirtschaft Baden-Württemberg) und Konstantin zu Dohna (Holzbau Baden-Württemberg)

Ministerialdirektor Dr. Christan Schneider, Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen BW

Jörg Hiller (Bauer Holzbau GmbH)

Thomas Wehrle (ERNE AG Holzbau)

(v.l.n.r.) Podiumsdiskussion mit Thomas Wehrle (ERNE AG Holzbau), Susanne Merk-Lérias (Münchner Wohnen Service GmbH), Konstantin zu Dohna (Holzbau Baden-Württemberg), Florian Stockert (Dress & Sommer SE) und Matthias Fritschle (Fritschle Holzbau GmbH & Co. KG)

Netzwerken im Rahmen der Kooperationsbörse

Dritte Auflage der Fachtagung Zukunftsmarkt Hybridbauweise für den Wohn- und Objektbau.

Ostfildern, 17 Februar 2026. Bei der Fachtagung Zukunftsmarkt Hybridbauweise für den Wohn- und Objektbau am 11. Februar 2026 trafen sich rund 200 Unternehmer des Holzbaus und aus dem mineralischen Bereich, Architekten, Bauingenieure und kommunale Vertreter zum gemeinsamen Dialog und Netzwerken. Bereits zum dritten Mal erwartete die Teilnehmer*innen kompakte Informationen über die wichtigsten Aspekte von Großprojekten in Hybrid-Bauweise mit dem Ziel, Unternehmen aus dem Holz- und Rohbau Wege aufzuzeigen, wie derartige Projekte im Unternehmensverbund wirtschaftlich geplant und umgesetzt werden können.

Das Event im Tagungszentrum Blaubeuren, gemeinsam veranstaltet von Holzbau BW, Bauwirtschaft BW, Bauindustrie Bayern, Das Bayrische Baugewerbe und dem Landesinnungsverband des bayrischen Zimmererhandwerks, bot eine Vielzahl an hochkarätigen Referenten mit Fachvorträgen zu aktuellen Themen und Entwicklungen rund um die Hybridbauweise. Die durch proHolzBW organisierte Veranstaltung wurde wieder von einer Kooperationsbörse begleitet, bei der sich zahlreiche Teilnehmer/innen im Anschluss an die Vorträge miteinander vernetzen konnten.

Eröffnet wurde die Fachtagung durch Gerd Renz, Präsident Holzbau Baden-Württemberg, sowie durch Ministerialdirektor Dr. Christan Schneider, Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen BW. Schneider sprach in seiner Begrüßungsrede davon, dass bezahlbarer Wohnraum kein Luxusgut werden darf, und das Baugewerbe deshalb die Standards überarbeiten sollte, um einfacher, nachhaltiger und auch ressourcenschonender zu bauen. Er betonte dabei, „Zukünftig hybrider Bauen ist grundsätzlich clever“. 

Florian Stockert von Dress & Sommer SE, referierte zum Thema „Gebäude von Morgen – werkstoffgerechte Konstruktion und Kreislauffähigkeit am Beispiel der Hybridbauweise“ über die „Bauindustrie 4.0“ und die damit verbundenen Chancen und Mehrwerte des Holzbaus sowie die zentralen Fakten und Vorteile des kombinierten Hybridbaus. Beispiele zur Entscheidungsfindung bei der Projektabwicklung zeigte er anhand einer Bewertungsmatrix auf, welche auch den Lebenszyklus bei der Hybridbauweise („Urban Mining“) miteinbezieht.

Ute Jaschinski (GWG Tübingen) stellte den Teilnehmenden das Thema „Sichtweise von Investoren bezogen auf Holz- und Holzhybridbauten?“ vor und erläuterte dabei insbesondere die Motivation für den Hybridbau am Beispiel des Bauprojekts „Palazzo“ in Tübingen und unterstrich dabei Ihre These „Wirtschaftlich robust bauen gelingt mit Holzhybrid“. Wichtig hierbei ist „eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsrechnung für die Investoren, Banken und Versicherungen, welche schließlich dem Bauprojekt vorab zustimmen müssen“, so Jaschinski.  

Im Anschluss folgte mit dem Thema „Hybridbau aus einer Hand, passende Lösungen für unterschiedliche Bauaufgaben“ von den beiden Referenten Matthias Fritschle und Tobias Kaiser von der Fritschle Holzbau GmbH & Co. KG ein Vortrag mit entsprechenden Praxisbeispielen, wie dem Fritschle Holzbau-Campus Neubau, sowie zwei Holzhybrid-Mehrfamilienhäusern in Ravensburg und Biberach.  

Die beiden Referenten Jörg Hiller (Bauer Holzbau GmbH) und Karl-Heinz Weinisch (IQUH GmbH) präsentierten jeweils den „Witterungsschutz bei Großprojekten“. Hiller fokussierte dabei die VOB Fachschrift zum Witterungsschutz und zeigte am Hybridbau in Maichingen sowie dem Schulzentrum Bönnigheim die Folgen, Erfahrungen und Maßnahmen einer mangelhaften Planung auf. Weinisch ging dagegen dem Problem der passenden Holzlagerung auf den Grund und hob dabei hervor, dass zu viele, unnötige Schäden am Holz durch zu wenig Aufmerksamkeit durch die vorgelagerten Gewerke entstehen würden. Im Rahmen neuer Prüfpflichten aller Vertragspartner aus dem Bau- und Versicherungsrecht riet er zu einem normgerechten Feuchtemanagement und der sogenannten „SOS-Methode“. „S“ steht dabei für eine schnelle und unverzügliche Reaktion, „O“ für die objektive und holzbaugemäße Bewertung und “S“ für eine sachkundige und mängelfreie Sanierung des Schadens am Holzbau.

Nach der Mittagspause referierten Susanne Merk-Lérias und Ole Beißwenger von der Münchner Wohnen Service GmbH sowie Martin Behrendt (Bauunternehmen Hillebrand) gemeinsam über „Wohnungsbau-Innovationen aus der Bauindustrie: Baustoff Holzbeton kombiniert mit vorgefertigtem Massivbauelementen“. Dabei wurde schwerpunktmäßig u.a. das gemeinsame Bauprojekt „Prinz-Eugen-Park – Europas größte Holzbausiedlung“ thematisiert. Auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände in Külsheim wurden rund 1.800 Wohnungen für ca. 5.000 Menschen sowie ergänzende Infrastruktureinrichtungen errichtet.

Marko Kramer vom Regierungspräsidium Tübingen stellte im Rahmen seiner Präsentation „Antragsstellung und Ablauf bei vorhabenbezogenen Bauartengenehmigungen“ die bauordnungsrechtlichen Grundlagen auf Basis der Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO) vor. Im Detail ging Kramer dabei auf die Verfahren bei der Landesstelle für Bautechnik sowie Beispiele der Zustimmung im Einzelfall und vorhabenbezogenen Bauartgenehmigungen ein.

Zum Abschluss der Fachtagung stellte Thomas Wehrle (ERNE AG Holzbau) die Frage, „Was macht der Schweizer Holzbau anders?“ Um sich dem Thema zu nähern, beschrieb er zunächst die aktuellen Herausforderungen wie „40 % der globalen CO₂-Emissionen entstehen im Bauwesen, die Ressourcen werden knapper und teurer, der Zeit- und Kostendruck steigt, die Nutzungsanforderungen der Gebäude werden komplexer, Klimaziele verlangen kreislauffähige Lösungen und die Produktivität im Bau stagniert seit 40 Jahren“. Als Schweizer Stärken im Holzbau sowie im Bauprozess nannte Wehrle einen hohen Vorfertigungsgrad (schnelle Montage, hohe Präzision), klare Prozesse und Verantwortlichkeiten (integrierte Planung), durchgängige Digitalisierung (BIM – AVOR – CNC), pragmatische Normen und Behörden (performanceorientiert) sowie Nachhaltigkeit in Form von Holzhybridbauten als Markttreiber.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit den Referenten Susanne Merk-Lérias, Mathias Fritschle, Thomas Wehrle und Florian Stockert beleuchtete die Perspektiven und Besonderheiten der Hybridbauweise heute – und in der Zukunft.

20 Unternehmen – Planungsbüro Steber, Huber & Sohn GmbH & Co.KG, Hammer Holzbautechnik GmbH, Gumpp & Maier GmbH, ConductorBau GmbH, MOLL bauökologische Produkte GmbH, Ed. Züblin AG, ZÜBLIN Timber, Brunthaler Holzbau GmbH & Co.KG, Trautwein Holzbau, Richard Brink GmbH & Co.KG, Rhomberg Bau GmbH, Kienle Holz- & Ausbau GmbH, SYNdikat Zimmerei AG, müllerblaustein HolzBauWerke GmbH, Holzbauwerk Schwarzwald, UNGLEHRT GmbH & Co. KG, Binderholz, WIEHAG Timber Construction GmbH und SCHLOSSER HOLZBAU GmbH – beteiligten sich an der Kooperationsbörse, die zum Abschluss der Fachtagung angeboten wurde. Vernetzung in effektiver Form mit projektbezogenen Kontakten und Gesprächen vor Ort!

Die Moderation der Fachtagung übernahmen Konstantin zu Dohna (Holzbau Baden-Württemberg) und Thomas Möller (Bauwirtschaft Baden-Württemberg).

(Bilder: proHolzBW)

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